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Die Folgen der Corona-Pandemie bekommen auch Supermärkte zu spüren - zumindest, wenn sie an der Schweizer Grenze liegen. Unternehmer Dieter Hieber musste für seine Edeka-Märkte Kurzarbeit anmelden.

Ein Supermarkt schickt seine Mitarbeiter in die Kurzarbeit? Was zunächst verwundert, ist verständlich - denn die Märkte liegen im Dreiländereck und sind auf Kundschaft aus der Schweiz angewiesen. Dieter Hieber ist Chef des Unternehmens, das 15 Edeka-Filialen vorwiegend im Dreiländereck betreibt. 400 seiner etwa 1.400 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. SWR Moderator Dirk Starke hat mit Dieter Hieber gesprochen.

Dirk Starke: "Herr Hieber, warum geht es Ihrem Unternehmen so schlecht?"

Dieter Hieber: "Ach ja, schlecht ist relativ. Ich glaube, der Lebensmittel-Einzelhandel darf an der Stelle nicht klagen. Wir sind ja bisher mit einem blauen Auge davongekommen, oder? Bisher ging es dem Lebensmittelhandel doch relativ gut. Die Menschen in der Region sind alle zu Hause. Sie dürfen nicht in Restaurants, dürfen nicht in Urlaub gehen. Also müssen sie zwangsläufig zu Hause essen. Wir haben natürlich die Situation, dass wir seit der Grenzschließung jetzt in vier Märkten aktuell einen Umsatzeinbruch von 30 bis 35 Prozent haben. Das ist von Markt zu Markt unterschiedlich. In diesen Märkten sind wir jetzt in Kurzarbeit."

Dirk Starke: "Also die Einkaufstouristen aus der Schweiz fehlen, was wiederum eine Beschränkung des kleinen Grenzverkehrs im Dreiländereck durch das Land Baden-Württemberg ist?"

Dieter Hieber: "Ja, ganz genau. Die Schweizer Kunden sind nicht da. Die französischen Kunden sind nicht da, die darf man nicht außen vor lassen. Es sind auch mittlerweile einige Kunden, die aus Frankreich nach Deutschland zum Einkaufen kommen. Und die fehlen uns."

Dirk Starke: Vom Rhein-Center in Weil am Rhein beispielsweise hört man, dass dort nur ein geringer Rückgang an Einkaufstouristen zu verzeichnen ist. Wie erklären Sie sich das?"

Dieter Hieber: Oh, das kann ich mir gar nicht erklären. Das kann höchstens daran liegen, dass sie trotzdem rüberkommen und dass die Kontrollen vielleicht auch gar nicht so stattfinden. Ich glaube auch, dass es schwierig ist für Polizei, Bundesgrenzschutz, Zoll und so weiter das in dem Stil so zu kontrollieren. Wer geht Verwandte besuchen? Wer geht zum Einkaufen? Dann müssten wir ja wirklich in jeden Kofferraum reinschauen - und fragen: War da jemand einkaufen? Und wie geht man damit um? Ich glaube, das war ein Schnellschuss, der aber letztendlich nicht wirklich ganz durchdacht gewesen ist."

Dirk Starke: "Sie haben gesagt 30 bis 40 Prozent Umsatzrückgang, in den vier Unternehmen, die direkt an der Grenze liegen, heißt das denn, dass ihr Unternehmen in der jetzigen Form - also viel frische Produkte, exklusive Angebote, eigene Brauerei - ohne Kunden aus der Schweiz nicht profitabel zu führen ist?"

Dieter Hieber: "Ohne Kurzarbeit wäre das in der Tat so. Aber das Kurzarbeit-Modell bietet uns hier die Möglichkeit, die Kosten in dem Fall in den Griff zu bekommen. Somit geht das. Wir haben die Ware natürlich reduziert. Jetzt mit den Kurzarbeit-Modell und der Unterstützung kommen wir wirklich mit einem blauen Auge davon."

Dirk Starke: "Was bedeutet das denn jetzt für ihre Mitarbeiter? Müssen die zu Hause bleiben oder sich gar Sorgen um ihren Job machen? Längerfristig?"

Dieter Hieber: "Nein, sie müssen sich hoffentlich keine Sorgen um ihren Job machen. Also ich mache mir noch keine Sorgen, und ich hoffe meine Mitarbeiter auch nicht. Für die Mitarbeiter bedeutet das, dass wir das verteilt haben auf alle Mitarbeiter und eine Vollzeitkraft arbeitet dann statt 40 Stunden nur 30 Stunden reduzieren das einfach für alle. Es dürfen alle zum Arbeiten kommen, und es sollen auch alle zum Arbeiten kommen. Wir haben auch das Entgelt von den Mitarbeitern so gesteuert, dass die Mitarbeiter 90 Prozent ihres vorhergehenden Entgeltes bekommen. Ich glaube, dann ist es eine Phase, die jetzt ein paar Wochen gehen wird, die wir alle durchstehen."

Dirk Starke: "Was glauben Sie, wie wird es weitergehen?"

Dieter Hieber: Ach ja, ich hoffe, dass das bald wieder aufgeht. Wir hoffen natürlich alle, dass Corona sich dem Ende neigt, dass wir mit dem Impfthema dann vielleicht doch eine Lösung finden, dass Corona irgendwann im Lauf des Jahres dann wirklich zu Ende ist. Für uns jetzt mit dem Kurzarbeit-Thema heißt es, dass wir hoffen, dass die Grenzen bald wieder aufgehen und dass die Kunden aus dem Ausland wieder bei uns einkaufen dürfen.

Dirk Starke: "Könnte es vielleicht sein, dass, solange die Kunden aus der Schweiz fehlen, vielleicht die Preise in ihren Märkten für die einen oder anderen Produkte sinken werden?"

Dieter Hieber: "Preise gehen immer mal nach oben oder nach unten. Das hängt aber eher vom Markt, vom Wettbewerb ab. Und nicht davon, ob die Schweizer zum Einkaufen kommen oder nicht."

Das ganze Interview zum Nachhören:

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