Glühender Stahl wird in Hausach klimafreundlich produziert. (Foto: SWR)

Energiewende in Hausacher Schmiede

Glühen für den Klimaschutz: "Grüner" Stahl aus dem Schwarzwald

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AUTOR/IN
Tamara Spitzing

Klimafreundlich Stahl produzieren, geht das? Eine Stahlschmiede in Hausach (Ortenaukreis) macht es vor - mit Energieeffizienz und Pioniergeist.

In der Schmiedehalle der Richard Neumayer GmbH wirken gewaltige Kräfte. Über 40.000 Tonnen Stahl werden hier jährlich zu Schmiedeteilen umgeformt - die meisten für die Autoindustrie. Die riesigen Öfen erzeugen Temperaturen von weit mehr als 1.000 Grad – und doch braucht die Firma dafür nur noch begrenzt fossile Energie. Geschäftsführer Dirk Neumayer leitet das Familienunternehmen in fünfter Generation und führt den Umbau in Richtung Klimaschutz, den schon sein Vater begonnen hat, konsequent fort.

"Wir haben im Jahr 2020 einen siebenstelligen Eurobetrag in die Hand genommen und unsere Erwärmungstechnik erneuert. Die ist wesentlich energieeffizienter und dadurch sparen wir mehr als zwei Millionen Kilowattstunden Strom - jedes Jahr."

Mit cleveren Tricks Energie sparen

In dem Unternehmen mit 420 Mitarbeitenden wurden die unterschiedlichsten Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt. Sämtliche Öfen wurden von Gas auf Induktion umgestellt – eine enorme Energieersparnis. Besonders stolz aber ist Geschäftsführer Neumayer auf die Entwicklung eines eigenen Verfahrens zur Wärmerückgewinnung. Die glühend heißen Schmiedeteile fallen aus dem Ofen in einen Isolierbehälter. Früher kühlten sie ab und mussten zur Wärmebehandlung erneut erhitzt werden – jetzt reicht die konservierte Schmiedewärme. Energieersparnis: 95 Prozent.

Maschinen laufen ohne Pause - das spart Energie

Ein weiterer Schritt: Ruhezeiten rotieren. Das heißt: Die Maschinen werden in den Pausen nicht mehr abgeschaltet. Sie laufen ohne hoch- und runterfahren einfach durch. Das allein spart eine Viertelmillion Kilowattstunden. Damit sind die ehrgeizigen Ziele der Firma aber noch lange nicht erreicht. Dirk Neumayer erklärt: "Wir treffen alle Entscheidungen in Richtung Klimaschutz. Wir sind gerade dabei, unseren Strom erneuerbar selbst zu erzeugen. Seit Januar 2021 verwenden wir 100 Prozent zugekauften Ökostrom. Jetzt ist das Ziel, in fünf Jahren die Hälfte selbst zu erzeugen."

Die Kraft der Sonne nutzen: Die Hausacher Stahlschmiede will die Menge an selbstprodziertem Strom in den kommenden Jahren hochfahren.  (Foto: SWR)
Die Kraft der Sonne nutzen: Die Hausacher Stahlschmiede will die Menge an selbstprodziertem Strom in den kommenden Jahren hochfahren.

Sonne und Wind - Schmieden mit den Energien der Zukunft

Neumayer hat bereits die Dachflächen mit Solarzellen ausgestattet und denkt weiter in Richtung Windkraft. Er will sämtliche Ressourcen des Schwarzwaldes ausnutzen – erneuerbare Energien waren schließlich die Wurzeln der Industrialisierung in dieser Region.

"Mein Urgroßvater und mein Großvater haben mit Wasserkraft geschmiedet und wir sind dabei, dieses Modell in die Zukunft zu bringen, um zu zeigen, dass man hier im Schwarzwald auch im Jahr 2030 mit erneuerbarer, bezahlbarer Energie produzieren kann."

Sogar Stahl lässt sich also grün schmieden – wenn man sich etwas einfallen lässt.

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