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Herausforderung für Impfzentren: Feste Impftermine werden immer öfter nicht wahrgenommen. Wie groß ist das Problem in Südbaden - mit welchen Folgen?

Einfach im Impfzentrum vorbeigehen und einen Termin bekommen: Dank ausreichenden Impfstoff-Lieferungen und sinkenden Anmeldezahlen ist das im Waldshuter Kreisimpfzentrum seit einigen Tagen möglich. Der Landkreis Waldshut will und muss seine Impfquote deutlich steigern und senkt deshalb die Hürden bei den Anmeldungen. Statt über die Impfzentrale des Landes, gibt es jetzt Termine über eine eigene Internetseite und eine eigene Hotline des Kreises. Landrat Martin Kistler hat sich mit dem niederschwelligen Angebot und einem Flyer in neun Sprachen gezielt an Schulen gewandt.

Hauptproblem für Impfzentren: Viele kommen einfach nicht

Das Waldshuter Impfzentrum ist derzeit noch zu etwa 80 Prozent ausgelastet. Wesentlich deutlicher ist der Rückgang in Freiburg. Vor wenigen Wochen wurden im Zentralen Impfzentrum Freiburg jeden Tag 4.500 Menschen geimpft. Jetzt sind es im Schnitt nur noch 1.500. Das liege vor allem daran, dass inzwischen auch die Haus- und Betriebsärzte ebenfalls impfen sagt Martin Hug, der für die Impfstoff-Logistik am Messezentrum zuständig ist. Das Hauptproblem ist für ihn jedoch, dass viele Menschen zum vereinbarten Termin einfach nicht erscheinen: "Sie brauchen ärztliches und pflegerisches Personal, Personal bei der Registrierung, Sicherheitspersonal - wenn Sie dann nur noch zwei Drittel des geplanten Impf-Umfangs haben, heißt das: Man hält zu viel Infrastruktur vor, das kostet Geld und ist für die Beteiligten frustrierend, weil sie den Eindruck haben, sie werden nicht gebraucht."

Politisches Hin und Her ein Grund für weniger Impfwille

Einen Grund für die Absagen führt Martin Hug vom Freiburger Impfzentrum auf das komplizierte Buchungssystem des Landes und Unkenntnisse bei Impfwilligen zurück. Olaf Boettcher, Leiter des Kreisimpfzentrums in Waldshut und selbst Hausarzt, spricht außerdem von einer spürbaren Verunsicherung. Aktuelles Beispiel: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit wenigen Tagen die sogenannte Kreuzimpfung mit AstraZeneca und Biontec und das in geringem Zeitabstand: "Das macht ja Sinn. Aber die Politik macht uns, was die Vorgaben angeht, das Leben zur Hölle. Was heute gilt, gilt morgen nicht mehr. Ich glaube, dass der nachlassende Impfwille auf diese Verunsicherung seitens der Politik zurückzuführen ist."

Impfzentren haben erstmals Vorrat an Impfstoffen

Die aktuelle Lage hat aber auch eine positive Seite: Erstmals haben sowohl die niedergelassenen Ärzte als auch Impfzentren ausreichend Impfstoff zur Verfügung. Seit dieser Woche sei erstmals sogar noch Vorrat da, heißt es in Freiburg und Waldshut: "Bislang haben wir noch keine einzige Impf-Ampulle weggeworfen - nur, die Kühlschränke sind schon ziemlich voll. Und irgendwann wird dieser Impfstoff dann auch verfallen."

"Impfschwänzer betrafen? - Hirnrissig und alles Quatsch!"

Was die Verantwortlichen vor Ort auf keinen Fall wollen, sind Strafen für die sogenannten Impfschwänzer. Martin Hug sagt dazu: "Wenn jemand seinen Impftermin nicht wahrnimmt, dann kann das verschiedene Gründe haben. Dies jetzt auf welche Weise auch immer bestrafen zu wollen halte ich für wenig zielführend. Im Gegenteil: Das schürt nur Ängste." Und Olaf Boettcher ergänzt: "Das ist ja hirnrissig, wen wollen Sie denn wie bestrafen?Das ist alles Quatsch."

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