47-Jähriger wegen hunderter Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs vor dem Freiburger Landgericht (Foto: dpa Bildfunk, Philipp von Ditfurth)

47-Jähriger wegen hundertfachen Missbrauchs angeklagt

Kein Geständnis im Freiburger Prozess um Kindesmissbrauch

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Im Prozess um teils schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in Freiburg ist der Beschuldigte nicht bereit zu gestehen. Das erklärte sein Verteidiger.

Ein 47-Jähriger steht als Angeklagter vor dem Freiburger Landgericht. Er soll zwei Mädchen in mehreren hundert Fällen teils schwer sexuell missbraucht haben. Nach dem Prozess-Auftakt am Dienstag hatte es sogenannte Verständigungsgespräche gegeben: Kammer und Staatsanwaltschaft hatten dem Angeklagten - für den Fall, dass er gesteht - sechs bis sieben Jahre Haft in Aussicht gestellt. Das hätte das Verfahren verkürzt. 

Zwei Mädchen nach hundertfachem Missbrauch traumatisiert

Die beiden Mädchen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen - beide seien vorübergehend in stationärer Behandlung gewesen, so die Staatsanwältin zum Prozess-Auftakt vor Gericht. Von Pfingsten 2016 bis Februar 2020 soll sich der 47-Jährige mehr als 200 Mal am ersten Opfer vergangen haben. Mindestens weitere 100 Fälle sexuellen Missbrauchs soll der Angeklagte darüber hinaus an einem zweiten Kind verübt haben, das er über das erste Mädchen kennengelernt hatte.

Mit Geschenken das Vertrauen der Opfer erschlichen

Bereits 2015 habe der Mann das erste - damals neunjährige Mädchen - über seine Patentochter kennengelernt. Zunächst soll er sich etwa mit Geschenken das Vertrauen des Mädchens und seiner alleinerziehenden Mutter erschlichen haben. Wenig später dann auch das einer Freundin des neunjährigen Kindes. Beiden soll er zum Beispiel Kleidung und Handys gekauft haben, die die Mütter der Mädchen nicht finanzieren konnten. Die familiären Verhältnisse der Mädchen waren offenbar schwierig: Die Mütter waren jeweils alleinerziehend, beide sollen darüber hinaus gesundheitliche Probleme gehabt haben. Die Mädchen sollen deshalb oft ganze Wochenenden bei dem Angeklagten in Denzlingen verbracht haben. In seiner Wohnung sollen die meisten Übergriffe stattgefunden haben. Teils soll sich auch die Ehefrau des Angeklagten während der sexuellen Handlungen in der Wohnung aufgehalten haben. Sie soll den Schilderungen der Mädchen zufolge schwerhörig sein und darum nichts mitbekommen haben.

Beide inzwischen jugendliche Opfer wollen aussagen

Laut der Anwältin, die die heute 16 und 17 Jahre alten Opfer als Nebenklägerin vertritt, wollen beide Mädchen aussagen - insbesondere zu den Folgen der mutmaßlichen Taten. Umfassende Ausführungen und Befragungen zu den einzelnen Vorwürfen könnten ihnen aber erspart werden. Die Mutter des einen Mädchens sagte vor Gericht: Sie sei alleinerziehend und überfordert gewesen. Der Beschuldigte habe ihr Hilfe angeboten - geahnt habe sie aber nichts.

Der Angeklagte hat sich bislang nicht geäußert

Der Mann verfolgte die Ausführungen beim Prozess-Auftakt am Dienstag ruhig - er schaute während der Verhandlung meist zu Boden, mit gesenkten Schultern. Insgesamt sind bislang neun Verhandlungstage angesetzt. Unter anderem sollen zwei Sachverständige und die Mütter der beiden Opfer vernommen werden.

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