Erfolgreiches Bürgerprojekt

Hühnergarten in Ortenberg wird zur neuen Dorfmitte

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Christine Veenstra

Die Gemeinde Ortenberg (Ortenaukreis) hat einen neuen Treffpunkt: ein Hühnerhof. Ein sozialer Verein hat das Projekt initiiert, um Menschen aus dem Ort zusammenzubringen.

Im Ortenberger Seniorenheim an der Straße "Obere Matt" werden die Bewohnerinnen und Bewohner seit einigen Wochen vom Hahn geweckt. Es ist ein Zwerghahn der Rasse Chabo, der um vier Uhr früh zu Krähen beginnt.

"Dem könnte ich den Kragen rumdrehen", kommentiert Ortenbergs älteste Einwohnerin Luise Wiegele den neuen Nachbarn. Allerdings schickt sie ein Augenzwinkern mit, denn das, was hier entstanden ist, gefällt der 100-jährigen Dame eigentlich ausgesprochen gut.

Ein Ort, der Menschen anzieht

Der Verein Soziales Netzwerk Ortenberg (SoNo) hat eine Wiese in einen Garten verwandelt, in dem inzwischen zehn Zwerghühner leben. Es gibt einen Hühnerstall, drum herum sind Sonnenblumen, Rosen und Hortensien gepflanzt. 

Die Idee dazu hatte Sabine Reichertz, selbst rüstige Rentnerin, die vor wenigen Jahren aus Nordrhein-Westfalen zugezogen war. Sie fand das Umfeld des Seniorenheims zu trist und wollte einen Treffpunkt schaffen - nicht nur für die älteren Menschen.

Reichertz rückt jetzt mehrmals pro Woche mit Dosen voller Leckereien an, um den zehn Hühnern ein fürstliches Frühstück zu bereiten. "Da ist Dinkel drin, Emmer und Einkorn. Die drehe ich durch die Mühle, dann Wasser drauf, und vorher hatte ich eine Banane zerdrückt. Das ist schon lecker."

Gemeinsames Arbeiten schweißt zusammen

Im Wechsel kümmert sich eine Gruppe von Engagierten um die Tiere. Die Hühnerfreunde haben auch mehrere Hochbeete angelegt, in denen inzwischen der Lavendel blüht.

Sabine Reichertz leitet das Projekt Hühnergarten. Hier kümmert sie sich mit ihrem Mann um die Bepflanzung.  (Foto: SWR)
Sabine Reichertz leitet das Projekt Hühnergarten. Hier kümmert sie sich mit ihrem Mann um die Bepflanzung.

Einige Hundert Arbeitsstunden hätten die Aktiven investiert, schätzt Wilhelm von Ascheraden, Gründer des Sozialen Netzwerks Ortenberg. Er meint: "Wenn man miteinander hackt und schaufelt und gräbt und hämmert, das schweißt mehr zusammen, als wenn man nur am grünen Tisch sitzt und Ideen wälzt."

Ein Stück Dorf-Idylle kehrt zurück

Inzwischen hat sich um den Hühnergarten sogar ein Hühnerstammtisch gegründet. Alle drei Wochen trifft man sich dazu am großen Tisch unter der Pergola, gleich neben dem Hühnergehege.

Der Hühnergarten entwickelt sich zum neuen Treffpunkt in Ortenberg. Vor allem Menschen aus dem benachbarten Seniorenheim kommen hierher. (Foto: SWR)
Der Hühnergarten entwickelt sich zum neuen Treffpunkt in Ortenberg. Vor allem Menschen aus dem benachbarten Seniorenheim kommen hierher.

Dass Ortenberg gleich neben der Kirche eine neue Dorfmitte bekommen hat, freut auch Bürgermeister Markus Vollmer. Die Hühnerhaltung mitten im Ort gebe Ortenberg ein bisschen von seinem dörflichen Charakter zurück, meint er. Im Laufe der Jahre sei der doch etwas verloren gegangen.

Der Hahn soll für Integration sorgen

Vom dörflichen Idyll sollen dann bald auch die Kleinsten im Ort profitieren. In der Nachbarschaft entsteht ein Kindergarten, für den der Hühnergarten ein willkommenes Ausflugsziel sein dürfte. Aus der Idee einer Neubürgerin ist so ein Generationen-übergreifendes Projekt geworden.

Nur auf Seiten der Hühner, da läuft es noch nicht ganz so rund. Die Tiere, die den Rassen Chabo und Sundheimer Zwerghuhn angehören, gehen sich bisher noch aus dem Weg. Es sei Aufgabe des Hahns, hier für Integration zu sorgen, meint Wilhelm von Ascheraden vom Verein SoNo. "Aber Hühner sind eben auch nur Menschen."

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Hinter den Hochhäusern der Lahrer Römerstraße nicht weit entfernt vom früheren Landesgartenschau-Gelände liegt der Lahrer Kleinfeldpark. Die versteckte Grünanlage ist Kleinod für viele Menschen im Viertel – vor allem für die Kinder. Lahrs neuester und größter Spielplatz befindet sich hier. Normalerweise zieht er Familie aus der ganzen Stadt an. Nur an diesem Mittag ist das einzige Spielkind ein bisschen groß geraten.
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Einmal in der Woche ist Martin Metzger, 54 Jahre alt, auf dem Spielplatz an der Römerstraße. Er ist hier Spielplatzpate.
Martin Metzger:
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Insgesamt drei Spielplatzpaten gibt es in Lahr. Sie haben sein rund einem Jahr jeweils eine Spielanlage in der Nähe ihres Wohnortes im Blick. Die Idee dazu hatte Hanne Kaiser-Munz vom Stadtseniorenbeirat, nach einem Spielplatzbesuch mit ihren Enkeln.
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Kerstin Warten:
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Wer selbst den Fußballrasen aussät, tritt das frisch gekeimte Gras nicht platt. Klingt irgendwie logisch... Außerdem versucht Warten, besondere Wünsche der Kinder an die Stadt heranzutragen. Grade geht es um einen Basketball-Korb, den ihr Spielplatz bekommen soll. Auch Martin Metzger sieht sich in erster Linie als Vermittler zwischen Kindern und Stadt. Das Zusammenleben auf dem Spielplatz selbst funktioniert gut, sagt er. Auch wenn viele hier keine gemeinsame Muttersprache hätten.
Martin Metzger:
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Christine Veenstra