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Arbeiten von zu Hause aus - das ist bei vielen während der Corona-Pandemie Alltag geworden. Einen Anspruch auf Homeoffice gibt es übrigens nicht. Das gilt bis jetzt für beide Seiten.

Wenn das heimische Wohnzimmer zur Betriebsaußenstelle wird, dann klingt das im ersten Moment mal nach recht entspanntem Arbeiten. Mit Blick auf ein potenzielles Infektionsrisiko im Großraumbüro stimmt das. Viele Unternehmer sehen das mittlerweile auch so.

Arbeiten geht nicht vom Sofa aus

Laut Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, praktizieren zwei Drittel der Betriebe seit Beginn der Pandemie Homeoffice: "Mehr ist nicht möglich, das letzte Drittel, was kein Homeoffice praktiziert, das sind Arbeitsplätze, die sie nicht nach Hause verlagern können. Drehen, Bohren, Stanzen können sie nun mal nicht vom Sofa aus.“

Nun mag manch einer aus der Produktion neidisch auf die Kolleginnen und Kollegen der Buchhaltung blicken, weil die den Papierkram nun daheim am Kaffeetisch in den Computer tippen können, wann immer sie wollen und sich die Arbeitszeit beliebig selbst einteilen. Aber, da gibt es ganz klare Regeln, so Ralf Kittelberger von der Reutlinger Anwaltskanzlei Dreitor. Der promovierte Fachanwalt für Arbeitsrecht klärt auf über den Irrglauben, dass Homeoffice gleich stehe mit der beliebigen Freiheit, Arbeitszeit einzuteilen. "Das ist gerade nicht der Fall, weil wir Homeoffice oder mobiles Arbeiten nicht gleichsetzen rechtlich mit Vertrauensarbeitszeit oder sonstigen Arbeitsflexibilisierungen", sagt Dreitor.

Rechte und Pflichten im Home Office

Das heißt: Zuhause muss zunächst einmal in dem Umfang und zu den Zeiten gearbeitet werden, wie es auch im Betrieb der Fall wäre. Aber auch für den Arbeitgeber gelten Pflichten, wie etwa die Gewährleistung des Arbeitsschutzes, so Anwalt Kittelberger. Für die korrekte Ausstattung des Heimarbeitsplatzes muss also der Arbeitgeber sorgen. Insbesondere kleine Betriebe, deren finanzielle Lage angespannt ist, stellen sich die Frage: Was ist mit den Kosten dafür? IHK-Chef Thomas Albiez: "Wenn die "Überbrückungshilfe III" - dieses neue Unterstützungsprogramm - dann in Kraft gesetzt wird, ist es möglich, auch für die Einrichtung von Arbeitsplätzen öffentliche Finanzierungshilfen zu bekommen."

Kann man als Arbeitnehmer den Anspruch auf Homeoffice einfordern?

Einen Anspruch auf Homeoffice gibt es übrigens nicht. Das gilt bis jetzt für beide Seiten. Obwohl gerade das die Corona-Arbeitsschutzverordnung eigentlich vorsieht. "Aber der Arbeitnehmer kann hieraus keinen direkten Arbeitsanspruch ableiten, umgekehrt kann aber auch der Arbeitgeber es nicht einseitig verlangen, es sei denn, und das ist nur in den äußersten Ausnahmefällen der Praxis der Fall, die Parteien haben schon etwas vertraglich dazu festgelegt", erklärt Anwalt Kittelberger. Überhaupt ist in Sachen "Arbeitsplatz Homeoffice" sehr wenig gesetzlich verankert. Formal gibt es den Begriff Homeoffice auch noch gar nicht. Im Arbeitsrecht ist hier noch von "Tele-Arbeit" oder "mobiler Arbeit" die Rede. Und selbst diese beiden Begrifflichkeiten sind juristisch zu trennen, sagt der Anwalt. Bis jetzt noch, denn Homeoffice wird sich langfristig etablieren - da sind sich die Experten sicher.

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