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Wohnen in natürlichem Raumklima – als noch mit Stroh, Holz und Lehm gebaut wurde, war das ganz normal. Weil Umweltverträglichkeit und Gesundheit immer wichtiger werden, erleben diese Baustoffe zur Zeit eine Renaissance.

Gesund wohnen ohne Beton, ohne irgendwelche Baukleber oder Polystyrol-Dämmstoffen in den Wänden – das wünschen sich nach einer Umfrage 80 Prozent der Deutschen. Wie das gehen kann? Gut zu wissen:

Die Vorfreude ist riesig bei der Freiburger Strohbau-Gruppe, heute kommen die ersten Wände für das neue Haus. Sie haben sich für ein mit Stroh gedämmtes Haus entschieden – trotz aller anfänglichen Bedenken. Denn Stroh hat sich als Dämmstoff über Jahrhunderte bewährt.

Wie kann ich mit Stroh dämmen?

Bei Peter Henkel und seiner Familie dreht sich alles um Stroh. Stroh in erster Linie für die Landwirtschaft. Doch Peter Henkel hat früh erkannt: Auch Baustroh als Dämmstoff ist zunehmend gefragt. Deshalb hat der Tüftler eine Methode entwickelt, wie er Strohballen pressen und vor allem zentimetergenau als Baustroh zuschneiden kann. Denn die Strohblöcke können – exakt zugeschnitten – problemlos in Holzwände eingesetzt werden.

Bei der Zimmerei Grünspecht in Freiburg zum Beispiel. Die hat sich auf Holzbauten mit Strohdämmung spezialisiert. Die Zimmerleute haben die Wände für das Haus der Baugruppe exakt vorgefertigt, jetzt werden die Strohblöcke eingesetzt. So sei Stroh als Dämmstoff für Zimmereien völlig einfach zu handhaben, sagen sie.

Welche Vorteile hat Stroh?

Manfred Sautter ist Vorsitzender der Freiburger Architektenkammer. Stroh, sagt er, sei völlig unproblematisch. Es gebe keine Probleme mit dem Brandschutz. Er verweist vor allem auf die ökologischen Vorteile von Stroh.

"Ein Material zu verwenden, das im Grunde keine fossilen Stoffe, sondern als ein Abfallprodukt so gut wie keine Energie braucht, ist eine schöne Sache."

Manfred Sautter, Architektenkammer Freiburg

Das Haus der Strohbau-Gruppe wird erstellt. Wie ein Legohaus werden die vorgefertigten Wände Stück für Stück zusammengefügt. In nur zwei Tagen steht das ganze Haus. Schon im Rohbau merken die Bewohner die besondere Atmosphäre eines strohgedämmten Hauses.

"Wir haben jetzt Hochsommer, draußen ist es ultra heiß und wenn ich hier reinkomme – eine angenehme Atmosphäre, kühl und einfach schön."

Mathias Muschal, Stohhaus-Bauherr
Bau von Holzhäusern mit Strohdämmung erlebt eine Renaissance (Foto: SWR)
Stroh als Abfallprodukt ist günstig - Auftragen von Lehm ist Handarbeit, die entsprechend kostet

Ist Strohdämmung teurer ?

Stroh selbst ist ein Abfallprodukt aus der Landwirtschaft und somit günstig. Doch auf die Strohwände muss innen und außen Lehm aufgetragen werden, zunächst mit der Maschine, in zwei weiteren Arbeitsschritten mit der Kelle. Viel Handarbeit, die Geld kostet.

Diese Mehrkosten haben die Freiburger Stohbau-Gruppe aber nicht abgeschreckt, ihre Bedenken sind längst verflogen. Ihnen geht es wie vielen, die sich für ein Strohhaus entschieden haben: Wer ein Strohhaus baut, wird erst belächelt und später beneidet.

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