Das Kulturwehr Kehl-Straßburg. (Foto: Regierungspräsidium Freiburg)

Unsere Sommerserie

Der Rhein: Wenn das Wasser zurückkommt

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Christine Veenstra

Am Fluss leben, heißt schon immer, mit der Gefahr von Hochwasser leben. In Zeiten des Klimawandels ist die Gefahr besonders groß. Ein gewaltiges Umbauprogramm soll uns dagegen wappnen: das Integrierte Rheinprogram.

Ein bisschen Regen darf es sein hier am Oberrhein, auch ein bisschen mehr. Aber wenn in kurzer Zeit alles Wasser runterkäme, was den Sommer über verdunstet ist? Dann stünden wahrscheinlich neue Probleme ins Haus. Das vermutet Bernhard Irion. Er ist kein Hydrologe, sondern Landwirt und Rhein-Anrainer. Und er hat den großen Fluss, den Rhein, und das Wetter sein Leben lang beobachtet.

Zu viele versiegelte Böden

Fast jeder Hof sei mittlerweile gepflastert, so Irion. Da wo früher Ackerland war und das Regenwasser versickerte, stünden jetzt Neubaugebiete. Das Wasser fließe dort in die Kanalisation, in einen Vorfluter und dann in den Rhein, führt Bernhard Irion aus. Das könne bei Starkregen zum Problem werden.

Hochwasser ist ein Teil vom Leben der Menschen am Rhein

Dabei gehörte Hochwasser immer dazu. Und wer, wie Irion, nur einen Kilometer vom Flussufer entfernt wohnt, hat sich daran gewöhnt.

„Es gibt Bilder, wo zum Fußballplatz Bretter als Weg gelegt wurden. Der Fußballplatz war ein Stück höher und dann hat man im Hochwasser Fußball gespielt.“

Bernhard Irion, Landwirt und stellvertretender Ortsvorsteher des Schwanaue Ortsteils Nonnenweier. (Foto: SWR)
Bernhard Irion, Landwirt und stellvertretender Ortsvorsteher des Schwanaue Ortsteils Nonnenweier.

Vier von dreizehn Rückhalteräumen einsatzbereit

Auf dem Platz, auf dem Bernhard Irion und viele andere das Kicken lernten, rollt heute kein Ball mehr. Er liegt im Rückhalteraum Elzmündung, der sich hier acht Kilometer am Rheinufer entlang zieht. Der Polder soll im kommenden Jahr einsatzbereit sein. Er wäre dann der fünfte fertige Polder des sogenannten Integrierten Rheinprogramms. 13 Rückhalteräume zwischen Basel und Mannheim sind auf deutscher Rheinseite insgesamt geplant.

Neue Deiche für die Elzmündung

Für den Polder Elzmündung wurden Deiche ertüchtigt und neuen Wasserdurchlässe gebaut - zum Beispiel unter der Landstraße 100, die über einen kleinen Damm quer durch den Polder verläuft. Dieser Damm bildet einen Querriegel und es ist nicht der einzige im Polder, wie Eric Schildwächter vom Regierungspräsidium Freiburg erklärt.

Eric Schildwächter an einem Durchlass-Bauwerk in Schwanau-Nonnenweier. (Foto: SWR)
Eric Schildwächter an einem Durchlass-Bauwerk in Schwanau-Nonnenweier.

Ähnlich wie bei einer Treppe seien einzelne Abstufungen und Kammern in den Rückhalteraum errichtet worden. Hinter jedem Riegel werde dann eine gewisse Menge Wasser zurückgehalten. Im Falle einer Flutung würde das Wasser von Süden einströmen - durch ein großes Einlassbauwerk bei Kappel. Noch seien die Arbeiten nicht abgeschlossen.

Hochwasserschutz: Arbeiten auch in Breisach am Rhein

Parallel zu den Arbeiten bei Schwanau werden auch im Raum Breisach aktuell zwei Rückhalteräumen gebaut und das bestehende Kulturwehr saniert. Für Polder in Whyl/Weisweil (Landkreis Emmendingen), Meißenheim/Ichenheim (Ortenaukreis) und Rheinau/Freistett (Ortenaukreis) laufen Planfeststellungsverfahren oder sind in Vorbereitung.

Klagen von Anrainern verzögerte Bauarbeiten an Rhein-Poldern

Was die Realisierung mancherorts verzögert hat, waren Klagen von Anrainer - auch in Nonnenweier (Ortenaukreis). Eine Kontaminierung der Brunnen mit Rheinwasser sei befürchtet worden, so erklärt Bernhard Irion, der selbst Widerstand gegen den Polder geleistet hat. Auch fürchteten die Anrainer, dass die teils sehr alten Dämme bei einer Flutung des Polders nicht halten könnten. Bis vor das Oberverwaltungsgericht waren sie gezogen und hatten verloren. Heute sagt Bernhard Irion:

"Der Rhein gehört hier dazu. Mit allem, was er an gutem und schlechtem mit sich bringt. Mit den Schnaken, die wir haben, und jetzt der Polder."

Jetzt müssten sie eben damit leben, so Irion.

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