Hochwasserschäden  (Foto: Willi Reinbold)

1987 stieg der Brettenbach über die Ufer

Erinnerungen an das Hochwasser in Freiamt werden wach

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Ein heftiges Gewitter verwandelte am 8. Juli 1987 den Brettenbach in in eine Flutwelle. Auf bis zu 200 Metern Breite schoben sich damals Geröll, Schlamm und Bäume durch Freiamt.

Hochwasserschäden  (Foto: SWR, Willi Reinbold)
Am Nachmittag war das Wasser fast wieder weg. Willi Reinbold

Willi Östreicher war kurz vor dem Hochwasser 1987 zum Freiämter Feuerwehrkommandanten gewählt worden. Für ihn begann der 8. Juli wie ein ganz normaler Mittwoch: "Ich habe noch in der Werkstatt gearbeitet. Gegen halb eins hat man dann gesehen, dass es am Himmel schwarz wird und dann bin ich zum Mittagessen gegangen. Und dann ist der Alarm losgegangen. Und es war dann so brutal, dass wir gar nicht mehr gewusst haben, was los ist. Es sind dann so viele Anrufe gekommen, dass man gar nicht mehr gewusst hat, wo man überall helfen muss in dem Moment."

"Es sind hier Steine angeschwemmt worden, die waren so groß wie ein kleiner PKW"

Starke Regenfälle hatten in den Tagen zuvor den Boden im Freiämter Brettental extrem feucht werden lassen. Der Starkregen am 8. Juli war dann zu viel: Teile eines Hangs am Hünersedel gerieten ins Rutschen. Wasser, Geröll, Schlamm und Bäume stürzten Richtung Tal. Mittendrin: Die Schreinerei Reinbold. Der Chef Willi Reinbold erinnert sich: "Es sind hier Steine angeschwemmt worden, die waren so groß wie ein kleiner PKW. Hier haben wir 30 Zentimeter Schlamm gehabt. Man kann es kaum glauben, wie hoch es war. Wir können hier den Arm hochheben und dann wäre die Hand immer noch im Wasser."

Eine Brücke wird zum Staudamm

Eine kleine Bogenbrücke direkt vor der Schreinerei wirkte plötzlich wie ein Staudamm. Baumstämme legten sich quer, das Wasser konnte nicht mehr abfließen, staute sich und suchte sich einen neuen Weg: "Und dann ist das Wasser bei uns durch die Werkstatt gelaufen. So ca. 1,20 Meter hoch. Und dann sind unten die Wände rausgebrochen. Und alles was aus Holz war, ist weggeschwommen. Es war ein riesiger Schaden."

die neugebaute Schreinerei (Foto: SWR, Robert Wolf)
Die Schreinerei im Juli 2021 Robert Wolf

Schaden in Millionenhöhe

Im ganzen Brettental ging der Schaden in die Millionen. Einziger Lichtblick: Ums Leben kam niemand. So schnell, wie das Wasser kam, war es wieder weg. Die Feuerwehr war dennoch über eine Woche im Einsatz. Mit Hilfe von außen: "Verbände vom THW Baden-Württemberg aus Stuttgart waren da. Weil es war einfach nicht mehr machbar. Weil jeder von uns aus der Feuerwehr hat ja auch zuhause noch zu tun gehabt."

Hochwasserschäden  (Foto: SWR, Robert Wolf)
Erinnerungen an das Hochwasser im Jahr 1987: die Pegelstandsmarke an der Hauswand. Robert Wolf

Monatelange Aufräumarbeiten

Die Schreinerei Reinbold brauchte ein Vierteljahr bis der Betrieb wieder starten konnte. Die Welle der Solidarität rührt Willi Reinbold bis heute: Nicht nur Rettungskräfte halfen, auch Nachbarn, Schreinerkollegen und die eigenen Angestellten: "Es rührt mich heute noch an, wenn ich dran denke, wie viele Leute damals gekommen sind. Wir haben hier die Werkstatt mit Helfern voll gehabt, die ihre Freizeit geopfert haben. Unsere Maschinen zerlegt, wieder zusammengebaut, gereinigt haben. Überwältigend!"

Hochwasserschäden  (Foto: Robert Wolf)
Der Brettenbach Robert Wolf

Das Trauma bleibt

Wer heute durch das Brettental fährt, sieht nichts mehr vom Hochwasser von 1987. In den Köpfen ist die Katastrophe geblieben. Bei Regen schaut Willi Reinbold auch nach 34 Jahren immer noch jedes Mal am Bach vor dem Haus, wie sich der Pegel verändert. Das Trauma bleibt: "Jedes Mal, wenn irgendwo Hochwasser ist, spricht man drüber. Meine Mutter ist jetzt 91. Aber das kommt bei ihr wirklich wieder hoch. Man träumt nachts wieder davon. Es hängt irgendwo immer noch drin."

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