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Für die Krankenhäuser im Land ist es seit Monaten eine extrem schwierige Situation, die sich jetzt noch einmal verschärft hat. Wie dem Hochrhein-Klinikum in Waldshut gehen vielen Kliniken die Corona-Auflagen zu weit.

Corona-Infizierte behandeln, dabei immer noch Kapazitäten freihalten, falls noch mehr Patienten kommen, das eigene Personal ständig testen, jeder der die Klinik betreten will, muss getestet werden: Ärzte und Pfleger leben dabei in ständiger Angst sich selbst zu infizieren. Eine Mammutaufgabe - und das alles soll noch halbwegs wirtschaftlich abgewickelt werden.

Der Stress im Hochrhein-Klinikum in Waldshut beginnt schon am Eingang, Sicherheitspersonal muss seit Mittwoch viele Besucher abweisen: Handwerker, Lieferanten, aber vor allem auch Besucher müssen ab sofort einen negativen Schnelltest vorlegen. Die Klinikleitung hält die neue Verordnung für überzogen, so Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer des Hochrhein-Klinikums: "Jetzt ist der Test gefordert, den Test können wir nicht leisten, auch draußen niemand. Faktisch ist es ein Besuchsverbot, was die Landesregierung für die Besucher verhängt hat."

Seit Monaten extreme Belastung für viele Klinik-Mitarbeitende. Auf der Intensivstation wurden die Coronapatienten isoliert, wer hier arbeitet ist vor allem auch psychisch oft an der Grenze, beschreibt Hans-Jürgen Ott: "Dadurch, dass wir auch viele alte Schwerkranke behandeln, sterben viele. Das ist natürlich eine psychische Belastung für die Mitarbeiter, die sie auch nach Hause tragen."

Dabei ist die zweite Pandemiewelle, die wir zur Zeit erleben, sehr viel schlimmer als die erste vor gut zehn Monaten, so Ott weiter: "Die zweite Welle ist viel schlimmer als die erste, wir haben fünfmal so viele Patienten, aber wir haben die Situation von ärztlicher Seite her im Griff."

Das kann die Verwaltung des Hochrhein-Klinikums nicht behaupten. Ständig neue Corona-Auflagen, neue Verordnungen - die Mitarbeiter hecheln den fast täglichen Änderungen regelrecht hinterher, sagt Beate Gerlach: "Das heißt, sie müssen grundsätzlich immer wieder die Standard-Pflege im System betreiben: also Veränderung wieder einpflegen, genau das Zeitfenster im Blick haben, von wann bis wann ist es gültig, sie müssen alle Schnittstellen im Haus informieren."

In der Notfallaufnahme: Jeder Patient muss bevor er aufgenommen wird zunächst auf Covid19 getestet werden. Alles zusätzliche, zeitraubende Arbeitsschritte, die das sowieso überlastete Personal noch mehr fordern, so Stefan Kortüm: "Es ist eine deutliche Mehrbelastung hier im Notfallbereich, das dauert eben Patienten festzumachen, ins Labor zu geben, auf das Ergebnis zu warten."

Im Hochrheinklinikum sagen sie: sie hätten sich mehr Unterstützung vom Sozialministerium gewünscht, statt fragwürdiger neuer Verordnungen, fasst Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt zusammen: "Da muss man es mal gut sein lassen. Härter ist nicht immer besser, also immer das gleiche wiederholen und noch steigern. Wenn es nichts bringt, dann sollte man überlegen ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt."

Viel Ärger ist wohl vorprogrammiert, wenn am Eingang des Hochrhein-Klinikums in Waldshut alle ungetesteten Besucher konsequent abgewiesen werden müssen.

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