Junge Lachse in einem Becken (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Durchgängigkeit von Flüssen

Lachse stoßen immer noch auf viele Hindernisse in Südbaden

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Lachse kommen aus dem Atlantik in den Schwarzwald, um zu laichen. In Kinzig, Rench und Elz stoßen sie aber immer noch auf viele Hindernisse.

Wo der Harmersbach in die Kinzig fließt und Kies und Sand flache Mulden mit langsam fließendem Wasser bilden, da finden Lachse heute wieder Platz zum Laichen. Vielleicht hundert, so schätzt Stefan Stäbler vom Landesfischereiverband, ziehen pro Jahr in die Kinzig hoch. "Hier an der Kinzig sind wir sehr weit. Wir haben eine lineare Durchgängigkeit hoch bis nach Schiltach", sagt Stäbler. Nicht überall sieht es aber so gut aus.

An der Elz zum Beispiel machen zwei Wasserkraftwerke in Waldkirch den Oberlauf unerreichbar. Und auch in der Rench gibt es Probelme.

Stefan Stäbler, Lachszucht Wolftal (Foto: SWR)
Stefan Stäbler, Lachszucht Wolftal

"Genau das unterste Wehr in Memprechtshofen bei einer Mühle verhindert, dass die Durchgängigkeit hergestellt wird. Der ganze Oberlauf kann dadurch nicht erreicht werden. Das ist natürlich sehr schade und für die Rench katastrophal.“

Im Lachszuchtprogramm des Landes Baden-Württemberg ziehen Stefan Stäbler und weitere Helfer jedes Jahr tausende der Wanderfische nach und setzen sie dann in sieben Flüssen der Region wieder aus. Alb, Murg, Rench, Kinzig, Elz-Dreisam, der Restrhein und die Wiese sind die Flüsse im Lachsprogramm. Von hier aus schwimmen die Lachse in den Atlantik und kommen dann in einigen Jahren zum Laichen zurück.

EU-Wasserrahmenrichtlinie erhöht den Druck

Dass vielerorts noch heute kleine Wasserkraftanlagen ohne Fischtreppen den Lachsen den Weg versperren, ärgert Stäbler enorm. Und auch in den Unteren Wasserbehörden der Landratsämter sind diese Hindernisse für Wanderfische ein Thema. Denn der Druck, die Durchlässigkeit der Flüsse zu verbessern, ist inzwischen groß.

Bis 2027 müssen alle EU-Staaten die Europäische Wasserrahmenrichtlinie umsetzen, die hierfür Vorgaben macht. Der Konflikt zwischen Energiegewinnung und Naturschutz wird sich zuspitzen, meint Jürgen Mair.

"Im Ortenaukreis wie auch landesweit herrschen da noch große Defizite. Um den guten ökologischen Zustand der Gewässer zu erreichen, müssen noch zahlreiche Fischaufstiegs- und -abstiegsanlagen errichtet werden und diese Anlagen brauchen genügend Wasser, damit sie funktionieren."

Wo Fischtreppen vorhanden sind, sollte aus ökologischen Gründen möglichst viel Wasser über diese Auf- und Abstiegshilfen laufen und weniger durch die Turbinen der Wasserkraftanlagen. Doch alle Beteiligten wissen, dass gerade kleine Anlagen eigentlich jeden Liter Wasser brauchen, um überhaupt wirtschaftlich betrieben werden zu können.

Dilemma angesichts der zunehmenden Trockenheit

Darum muss aus Sicht des Lachs-Experten Jürgen Stäbler die Natur hier Vorrang haben - insbesondere dort, wo für Flussabschnitte Mindestwassermengen festgelegt worden seien, wie zum Beispiel an der renaturierten Elz im Landkreis Emmendingen.

"Für zehn Millionen Euro wurde von Köndringen nach Riegel runter die Elz renaturiert. Da wurde ein Mindestwasser festgelegt. Dann sollte man auch dafür sorgen, dass das Mindestwasser eingehalten wird."

Oberhalb des renaturierten Abschnitts der Elz, am sogenannten Kollmarsreuter Wehr zweigt der Mühlbach ab, auch Kollmarsreuter Wuhrkanal genannt. Ein großer Teil des Flusswassers wird in diesen Bach abgeleitet. Festgelegt ist, dass mindestens 850 Liter Wasser pro Sekunde im Elzflussbett weiterfließen müssen. Doch bei Niedrigwasser werde das nicht gewährleistet, so meint Stefan Stäbler. Nicht, weil, dass Wasser nicht vorhanden wäre, sondern, weil der Elz weiter Wasser entnommen wird.

Laut der zuständigen Behörden wird das Flusswasser auch bei relativ geringem Wasserstand hälftig aufgeteilt: "Auch bei einer geringeren Wassermenge erfolgt die Aufteilung hälftig. Die Aufteilung gilt ab 1700 l/s hälftig, das heißt bei einem Abfluss von 1.200 l/s fließen nach der Regelung 600 l/s in den Kollmarsreuter Wuhrkanal, 600 l/s bleiben in der Elz", so das Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz des Landkreises Emmendingen. Am Kollmarsreuter Wuhrkanal wiederum reihen sich kleine Wasserkraftanlagen wie Perlen einer Kette aneinander. Und die brauchen eben Wasser.

Geschädigte Natur in keinem Verhältnis zu energetischem Nutzen

In der Ortenau glaubt Jürgen Mair, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft und Bodenschutz, inzwischen nicht mehr an eine Zukunft für die "kleine Wasserkraft". Der Schaden an der Natur stehe in keinem Verhältnis zum energetischen Nutzen: "Wenn man die Rheinwasser-Kraftwerke nimmt, in Iffezheim oder auch Gambsheim, die haben eine tausendfach höhere Leistung."

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