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Die Gesundheitsämter sind vielerorts überlastet. In Tuttlingen hat man da eine Idee. Und auch ein Reisebüro-Leiter in Blumberg würde gerne helfen. Aber das ist gar nicht so einfach.

Reisbürochef Reinhold Strecker ist – salopp gesagt – angefressen. Seit März laufen die Geschäfte für sein Büro in Blumberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) miserabel. In der Hauptsache sind Stornierungen abzuwickeln – doch damit sei man inzwischen eben auch so ziemlich durch, sagt Strecker. Es gibt also kaum noch was zu tun im Büro. Deshalb seine Überlegung: Man könne doch vom Schreibtisch aus bei der Kontaktnachverfolgung von Covid-19-Fällen helfen. Und dabei auch ein bisschen Geld verdienen anstatt dem Staat auf der Tasche zu liegen.

Telefondienst statt Kurzarbeit? Minister winken ab

Auch Michael Beck (CDU), Oberbürgermeister der Kreisstadt Tuttlingen, hat sich Gedanken gemacht. In einem Brief an die Landesminister Lucha (Grüne) und Strobl (CDU) regt Beck an, Beschäftigte, die derzeit in Kurzarbeit sind, zum Telefondienst zu motivieren oder womöglich sogar ehrenamtlich in die Pflicht zu nehmen. Die Reaktionen auf seine Anregung sind verhalten. Reisekaufmann Strecker hat auf seine Anschreiben an die Landratsämter teils gar keine Antworten erhalten.

Kurzzeit-Hilfen nützen den Gesundheitsämtern wenig

Oder eben Absagen. So zum Beispiel auch vom Landratsamt in Tuttlingen. Dort schätzt Landrat Stefan Bär zwar die Initiativen. Doch wenn, dann würden Hilfen für mindestens sechs Monate gebraucht, besser noch zwölf. Leute, die vielleicht ein, zwei Wochen Zeit haben, einzuarbeiten, sei zu aufwändig, sagt Bär. Dazu kommt, dass die Gesundheitsämter mit hoch sensiblen Daten umgehen – was ein höchstes Maß an Datensicherheit verlangt. Es habe durchaus schon Gespräche mit Kurzarbeitenden gegeben. Diese für einen längeren Zeitraum zu gewinnen, habe sich allerdings als schwierig erwiesen.

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