Viele Menschen packen mit an beim großen Aufräumen nach der Flut in Bad Münstereifel (Foto: IMAGO, Uta Wagner)

Nach der Hochwasser-Katastrophe

Flutopfer-Spendenbündnis will kein Geld von Heckler & Koch

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Für die Flutopfer kommt jeder Euro recht - könnte man meinen. Doch das Geld des baden-württembergischen Waffenherstellers Heckler & Koch nahm das Spendenbündnis nicht entgegen.

Es geht um 15.000 Euro, die der Waffenhersteller Heckler & Koch mit Sitz in Oberndorf am Neckar (Kreis Rottweil) für die Betroffenen der Flutkatastrophe spenden wollte. Das Unternehmen überwies die Summe nach eigenen Angaben Anfang August auf das Spendenkonto von "Aktion Deutschland Hilft", einem Bündnis verschiedener Hilfsorganisationen. Doch dieses lehnte das Geld etwa einen Monat später ab.

Als Grund dafür nannte das Bündnis seine ethischen Leitlinien, wie aus einem am Dienstag publizierten Schreiben von Heckler & Koch hervorgeht. Der Betrag stammt zur Hälfte von der Belegschaft und zur Hälfte von der Firma.

Heckler & Koch reagiert mit Unverständnis

In einem Brief an das Bündnis sowie dessen Schirmherren, Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler (CDU), und den Kuratoriumsvorsitzenden, Außenminister Heiko Maas (SPD), äußerte das Unternehmen sein Unverständnis über die Nichtannahme der Spende. Dadurch würden nicht nur die Mitarbeiter von Heckler & Koch herabgesetzt, "sondern auch die Sicherheitskräfte Deutschlands, der EU und der Nato, die täglich unsere Produkte benutzen", heißt es darin.

Ein Gewehr vor dem Logo von Heckler & Koch (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Seeger)
Das Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch wird weltweit verwendet. Und auch schon mal illegal in Krisenherdregionen exportiert. Patrick Seeger

Darüber hinaus erläuterte das Unternehmen, dass die eigenen Waffen etwa für Evakuierungen aus Kabul wichtig gewesen seien. Im Export beliefere man nur Deutschlands Bündnispartner. "Ohne Genehmigung der Bundesregierung verlässt keine einzige Waffe unser Haus."

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Ethische Leitlinien lassen Spende nicht zu

Eine Antwort des Bündnisses auf eine entsprechende Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigte: Das Nein zur Spende ist grundsätzlicher Natur - um Heckler & Koch im Einzelnen geht es nicht. In den ethischen Leitlinien für Firmenspenden an die "Aktion Deutschland Hilft" heißt es unter anderem: "Das Unternehmen stellt weder Kriegswaffen her oder verbreitet sie." Entsprechend dieser Leitlinien behalte man sich das Recht vor, Spenden zurückzuweisen, sagte eine Sprecherin.  

Das Geld will Heckler & Koch nun an das Technische Hilfswerk und an die von der Flutkatastrophe im Juli besonders getroffene Gemeinde Dernau im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) spenden.

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