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In Deutschland wurden durch das Corona-Virus 16 Menschen infiziert. Gefahr für die Gesundheit sehr gering. Trotzdem: asiatisch aussehenden Menschen begegnet Hass – auch in Freiburg.

In Freiburg werden Chinesinnen und Chinesen im Alltag diskriminiert und ausgegrenzt. So wird es Jürgen Eberbach, dem Vorsitzenden der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Südbaden in den letzten Tagen immer wieder erzählt.

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Kommilitonen setzen sich in der Mensa weg, andere verdecken Mund und Nase, wenn sie asiatisch aussehende Menschen sehen. Die irrationale Angst vor dem Corona-Virus ist da und führt zu hässlichen Szenen. Das musste zum Beispiel Wang erleben. Wang studiert schon seit vier Jahren an der Uni Freiburg. Vor einer Woche wurde er wegen seines Aussehens in der Bahn angegriffen.

Meist werden Chinesen oder asiatisch aussehende Menschen in Freiburger Straßenbahnen angefeindet (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Rolf Haid)
Meist werden Chinesen oder asiatisch aussehende Menschen in Freiburger Straßenbahnen angefeindet picture alliance/Rolf Haid

"Die Bahn hat beim Bertoldsbrunnen angehalten, sie sind ausgestiegen und haben zu mir gesagt: Du Chinese, verpiss dich! Dann ist die Tür zugegangen und sie haben an das Fenster geklopft und dann drauf gespuckt. Danach haben sie mich noch beschimpft."

Wang, chinesischer Student in Freiburg

Wenigstens Unterstützung von Mitfahrer erhalten

Weil die Bahn schon weitergefahren ist, konnte Wang nichts mehr erwidern. Wenigstens hat er Unterstützung von einem Mitfahrer bekommen. Ein Mann habe zu ihm gesagt: "Das war sehr unverschämt, kümmere dich nicht darum", erzählt Wang. Und er habe geantwortet: "Ja, Sie haben Recht, aber ich habe doch nichts gemacht, ich bin unschuldig und komplett gesund! Das ist einfach unfair."

Betroffene berichten in Netzwerken von den Vorfällen

Wangs Geschichte ist kein Einzelfall. Zwei seiner Freundinnen wurden vergangene Woche in der Linie 5 von Jugendlichen am Bertoldsbrunnen beschimpft. So ein Angriff hinterlässt Spuren. Zur Polizei ist von den Betroffenen niemand gegangen. Sie berichten aber in sozialen Netzwerken von den Vorfällen. Eine Freiburger Chinesin schreibt zum Beispiel: Freunde in Deutschland müssen aufpassen!

Medien sollten Vorfälle ins Bewusstsein der Menschen bringen

Damit man den Angreifern Einhalt gebieten kann, sollte man noch mehr auf die Vorfälle aufmerksam machen, findet Jürgen Eberbach. Die Medien müssten Vorfälle ins Bewusstsein der Menschen bringen.

Student Wang: Nur wenige diskriminieren Asiaten oder andere Menschen

Wang will sich durch die Anfeindungen nicht einschüchtern lassen und sein Studentenleben normal weiterführen. Er gehe weiter in die Mensa und in die Uni-Bibliothek, es habe sich nichts geändert. Und seiner Meinung nach sind eigentlich die meisten Deutschen sehr nett. Es sei nur ein kleiner Teil, der Asiaten oder andere Menschen diskriminiert, glaubt er.

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