Blick über Freiburg in Richtung Münster (Foto: SWR)

Kontrolle auf Schäden

Steinmetze klettern auf den Hahnenturm des Freiburger Münsters

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Wera Engelhardt und Isabel Röder

Das Freiburger Münster gilt als eine der schönsten gotischen Kirchen weltweit. Damit das so bleibt, wagen sich Steinmetze jetzt wieder hoch hinaus.

Steinmetze und Industriekletterer erklimmen an diesem Montag und Dienstag den südlichen Hahnenturm am Freiburger Münster, um ihn auf Schäden zu überprüfen.

Die beiden Hahnentürme an den Flanken der Kathedrale werden im Jahreswechsel beklettert oder über eine Hebebühne begutachtet, wie die Münsterbauhütte mitteilte. Während die Kletterer 2021 den nördlichen Hahnenturm untersucht hatten, ist dieses Jahr der südliche an der Reihe.

Industriekletterer richten die Seile ein

Damit die Restauratoren in den komplizierten Strukturen des über 700 Jahre alten Turms gut gesichert sind, werden sie von der Freiburger Industrie-Kletterfirma Seilsachen unterstützt, die die Seile legt. "Hier können wir nur an natürlichen Strukturen sichern", sagt Industriekletterer Florian König. Ösen und Haken in den historischen Sandstein zu bohren, sei tabu. "Der gesamte Turm ist oben sozusagen eingepackt mit Schlingen aus Stahl", sagt König.

Der Kletterer hänge an der Turmspitze, die oben einen Durchmesser von 1,5 Metern habe. Von einer Plattform im Hahnenturm hat die Firma das erste Seil mit Hilfe einer 17 Meter langen Teleskopstange ganz oben angebracht. "Als dieses hing, konnten wir daran weitere Seile in die Höhe ziehen."

Kletterer Scott Noy der Firma Seilsachen (Foto: SWR)
Bis zu zehn Kilogramm Haken und Seile hängen an Industriekletterer Scott Noy, wenn er das Münster besteigt.

Herausfordernd sei am Münster nicht nur die unregelmäßige Oberfläche durch Verzierungen und die skelettartige Bauweise der Gotik des 13. Jahrhunderts. "Es ist möglich, dass die Seile durch den rauen Sandstein beschädigt werden", sagt König. Daher müssten sie an vielen Stellen zusätzlich geschützt und sehr gewissenhaft angebracht werden.

Industriekletterer Scott Noy der Firma "Seilsachen" erklettert den südl. Hahnenturm des Freiburger Münsters (Foto: SWR)
Wie selbstverständlich klettert Scott Noy den südlichen Hahnenturm hinauf.

Münsterbauhütte erwartet kein großen Schäden

Sobald die Sicherung eingerichtet ist, können die Restauratoren und Steinmetze in die Höhe steigen. "Wir schauen, ob es Risse gibt, von denen sich Bruchstücke lösen können", sagt Tilman Borsdorf, leitender Steinrestaurator der Münsterbauhütte. Der südlichen Hahnenturm, der seinen Namen wie sein nördlicher Nachbar der oben angebrachten Wetterfahne verdankt, wurde vor 20 Jahren saniert. Große Schäden erwartet Borsdorf daher nicht.

Drahtgeflecht am Münster schützt vor herunterfallenden Steinen (Foto: SWR)
Brüchige Steine werden notdürftig mit Drahtgeflecht gesichert.

Anders sehe es am nördlichen Hahnenturm aus, der im vergangenen Jahr beklettert wurde. In den 1960er Jahren wurde die obere Pyramide komplett getauscht, berichtet Borsdorf. "Heute ist man schlauer und weiß, dass das damals verwendete Material nicht gut ist." Viele Risse seien seitdem entstanden – notdürftig wurden diese mit Drahtgeflecht abgesichert. "Das ist bedenklich, irgendwann müssen wir da ran." Ob sich der Zustand des nördlichen Hahnenturms weiter verschlechtert hat, wird im Herbst über eine Hebebühne erneut ermittelt.

Keine Einschränkungen für Passanten

Die diesjährigen Kletterarbeiten am südlichen Hahnenturm sollen am Dienstagabend abgeschlossen sein. Der Markt an der Südseite des Münsters wird bis dahin ein Stück weiter in Richtung Historisches Kaufhaus verlegt. Sonst haben Fußgänger und Marktleute mit keinen Einschränkungen zu rechnen.

Sehen Sie hier im SWR-Fernsehen, wie sich die Restauratoren des Freiburger Münsters darum kümmern, dass das international bewunderte Bauwerk in Schuss bleibt:

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