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Eine Frau ist Ende Mai in Villingen-Schwenningen getötet worden sein - unter Verdacht steht der ehemalige Lebensgefährte. Frauenhäuser bieten Schutz, haben aber zu geringe Kapazitäten.

Eine Frau flüchtet ins Frauenhaus. Vermutlich um persönliche Dinge zu holen, kehrt die Mutter von drei Kindern noch einmal in ihre Wohnung zurück und wird getötet. So soll es Ende Mai in Villingen-Schwenningen passiert sein. Im Verdacht steht der ehemalige Lebensgefährte. Wie kann es dazu kommen?

Zwei Profile des Täterkreises

Adolf Gallwitz ist Polizeipsychologie und Professor an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen. Er kennt die Profile des Täterkreises: "Wir haben zwei große Gruppierungen. Das ist einmal die situative Paargewalt. Das heißt, dass eine verbale Auseinandersetzung entgleist und dann auf einmal körperlich wird. Zum anderen gibt es die patriarchale Paargewalt." Das bedeutet, dass der Mann die totale Kontrolle über die Frau und die Beziehung erlangen möchte.

Terre des Femmes ist eine Organisation, die sich speziell für die Menschenrechte für Frauen einsetzt. Sina Tonk kümmert sich dort um das Thema Gewalt an Frauen. Seit 2002, erklärt sie, gibt es in Deutschland das Gewaltschutzgesetz. "Der Verweis der Wohnung kann ausgesprochen werden, auch wenn es die gemeinsame ist. Es muss nicht erst gerichtlich angeordnet werden, sondern auch die Polizei kann schon diesen Verweis direkt vor Ort aussprechen. Hier gilt der Grundsatz: Wer schlägt, der geht." Auch der Kontakt, die Kommunikation und das Annähern an den Partner können verboten werden. Nichtsdestotrotz, so Sina Tonk, steigen die Zahlen von häuslicher Gewalt an. Sie fordert, das Gewaltschutzgesetz nachzubessern.

Neuer Aktionsplan gefordert

Zudem soll die Bundesregierung einen neuen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen auf den Weg bringen. "Der letzte Aktionsplan ist schon viele Jahre her. Wir brauchen in Deutschland ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen, in dem konkrete Maßnahmen vorgesehen sind. Außerdem brauchen wir ein umfassendes Budget. Die Frauenhäuser müssen bundesweit ausreichend finanziert werden", so Tonk.

Frauenhäuser bieten zu wenige Plätze

Frauenhäuser bieten von Gewalt betroffenen Frauen eine sichere Unterkunft. Die Plätze in den insgesamt 350 Frauenhäusern in Deutschland sind mitunter aber knapp. Mehr als 14.000 Plätze fehlen laut Sina Tonk, und Frauenhäuser finden sich nicht überall. "In eher ländlichen Gebieten ist es oft so, dass ein Frauenhaus nicht in unmittelbarer Nähe ist. Das muss auf jeden Fall flächendeckend ausgebaut werden, da muss die Finanzierung geregelt werden."

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