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Die deutsche Wirtschaft leidet drastisch unter Corona. Um die Konjunktur wieder anzukurbeln, hat die Bundesregierung Anfang Juni ein Paket mit allerlei Maßnahmen beschlossen. Darunter auch die Senkung der Mehrwertsteuer.

Ab 1. Juli sinkt sie von 19 Prozent auf 16 Prozent und von 7 Prozent auf 5 Prozent. Doch was nützt das Händlern und Verbrauchern?

Wirtschaft soll angekurbelt werden

Corona wird unsere Wirtschaft drastisch schrumpfen lassen. Der Staat wird schätzungsweise 20 Milliarden Euro weniger einnehmen. Die gesenkte Mehrwertsteuer soll das ein bisschen abfedern. Lars Feld aus Freiburg, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen, berät die Bundesregierung. Er ist überzeugt, dass die Steuersenkung wirkt. Er sagt: "Man versucht auf die Art und Weise einen Konsum-Impuls zu setzen, damit die Konsumenten mehr konsumieren und deswegen auch dieses Jahr mehr Wirtschaftswachstum zustande kommt.  Gerade wenn man das temporär macht, ist ein Anreiz dazu da, mehr Konsum zu bekommen."

Aufwendige Umsetzung in der Praxis

Auf Händler wie Kai Ortolf kommt durch die Steuersenkung jetzt viel Arbeit zu. Er ist Marktleiter in einem Freiburger Bio-Supermarkt. Für ihn gäbe es eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Alle Etiketten neu drucken, die 3 Prozent erst an der Kasse abziehen oder Rabattcoupons ausgeben. Die Lösungen werden überall ein bisschen anders aussehen. Für alle Händler bedeutet die Änderung jedoch Arbeit und damit Kosten. Kai Ortolf beklagt sich trotzdem nicht, obwohl er nicht wisse, ob es sich für ihn lohnen wird. Er sagt: "Ich glaube, die Situation in der wir uns befinden, fordert von uns allen Flexibilität und die Bereitschaft, sich in einem hohen Tempo anzupassen."

Geringe Ersparnis für Kunden

Kunden profitieren bei kleineren Einkäufen nur marginal von der Senkung der Mehrwertsteuer. Bei einem Einkauf von 45 Euro spart man gerade mal etwa 1 Euro. Selbst bei größeren Anschaffungen, wie zum Beispiel einem Kühlschrank im Wert von 500 Euro, sei die Ersparnis überschaubar, sagt Florian Albrecht. Geschäftsführer eines Elektrofachhandels in Freiburg. "Sie sparen 15 oder 20 Euro, wäre das für Sie attraktiv, wenn sie nicht gerade Bedarf hätten, einen zu kaufen?", fragt er.

Handel könnte trotzdem profitieren

Die Ersparnis funktioniert nur dann, wenn die Händler die Steuersenkung wirklich an die Kunden weitergeben. Sonst profitiere nur der Handel, meint Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld. Aber auch das sei gut für die Wirtschaft. Er sagt: "Selbst wenn die Mehrwertsteuer-Senkung stärker bei den Unternehmen bleiben sollte, als man sich das wünscht, bleibt der Konsum-Impuls auch für die Unternehmen, weil sie dann höhere Erlöse haben und damit auch ein Solvenz-Effekt erzielt wird."

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