Ein knappes Gut: Gasflaschen in einem Markt in Freiburg  (Foto: SWR, Owusu Künzel)

Hohe Energiekosten

Nachfrage nach alternativen Heizmethoden steigt auch in Südbaden

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Owusu Künzel
Owusu (Foto: SWR, DASDING)

Die Preise für Gas und Strom sind in den vergangenen Monaten durch die Decke gegangen. Das hat zur Folge, dass diesen Sommer alternative Heizmethoden gefragt sind wie nie.

Die Gaspreise steigen, und noch ist unklar, ob nach der Wartungszeit der Pipeline Nord Stream 1 wieder Gas aus Russland nach Deutschland fließt. Die Angst vor den Folgen eines möglichen Gas-Engpasses im Winter bewegt viele Menschen auch in Südbaden offensichtlich schon jetzt. Strombetriebene Heizgeräte sind aktuell gefragt wie nie. Viele Baumärkte bestätigen einen Ansturm auf Heizgeräte und Heizmittel, die eine Gasheizung ersetzen könnten.

Alternativen zur Gasheizung boomen

Lukas Scheer vom Raiffeisenmarkt in Freiburg arbeitet seit zehn Jahren in der Branche, doch was er in diesem Sommer erlebt, ist ihm neu. Normalerweise verkaufe man im Sommer nie so viele Brennmaterialien wie beispielsweise Holzpellets. Doch seit Juni ziehe die Nachfrage nach alternativen Brennmaterialien stark an. Der stellvertretende Niederlassungsleiter berichtet von Hamsterkäufen bei Gasflaschen. Statt einer Gasflasche kauften Kunden nun teilweise bis zu drei.

Grillkohle türmt sich, Holzpellets und Brennholz teilweise leergekauft

Ein skurriles Bild im Markt: während sich die Grillkohle im Hintergrund türmt, sind die Paletten mit Holz Pellets und Brennholz großteils leergekauft  (Foto: SWR, Owusu Künzel)
Ein skurriles Bild im Markt: während sich die Grillkohle türmt, sind die Paletten mit Holz Pellets und Brennholz großteils leergekauft Owusu Künzel

Während sich die Grillkohle türmt, sind im Juli Paletten mit Holzpellets und Brennholz größtenteils leergekauft. Baumarktmitarbeiter berichten außerdem von einem regelrechten Ansturm auf Elektroheizungen. Immer mehr Kunden fragten danach. Die Baumarktkette Bauhaus bestätigt das auf SWR-Anfrage. Auch in Freiburg sei die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen, heißt es vom Unternehmen. Das hänge unter anderem mit den Preissteigerungen bei Gas und Energie zusammen. Darunter fielen Holz- und Pelletsöfen sowie mobile und stationäre Elektroheizkörper.

Auch Wärmepumpen stark nachgefragt

Neben Elektroheizungen griffen Verbraucher aktuell auch vermehrt zu anderen Heizmethoden, berichtet Alexander Mietsch, Geschäftsführer der Kleine-Albers GmbH. Das Unternehmen aus Freiburg hat sich unter anderem auf das Einbauen und Warten von Heizungen spezialisiert. So würden in letzter Zeit verstärkt Wärmepumpen und thermische Solaranlagen nachgefragt, so der Geschäftsführer. Wer eine Wärmepumpe will, braucht Zeit: Es gebe Lieferzeiten von sechs Monaten bis zu einem Jahr, so Mietsch. Viele Haushalte wollten ihre Heizung nachjustieren, um den Verbrauch zu optimieren. Andere stellten gleich ganz um und würden ihre Heizungsanlage wieder mit Öl betreiben.

Elektrisches Heizen dreimal so teuer wie mit Gas

Doch strombetriebene Heizgeräte bringen nach Einschätzung von Fachleuten andere Probleme mit sich. Dem SWR-Umweltexperten Werner Eckert zufolge verbraucht Heizen mit Strom doppelt so viel CO2 wie mit Gas. Sollte der Gaspreis noch weiter steigen, dürften auch die Strompreise anziehen. Experten mehrerer Wirtschaftsinstitute gehen trotz der angespannten Situation von keinem Gasengpass in Deutschland aus.

"Genügend Ware vorrätig und genug vorbestellt"

Lukas Scheer vom Raiffeisenmarkt in Freiburg rät dazu, beim Kauf von Brennholz und Pellets zurückhaltend zu sein und lieber nach Bedarf zu kaufen. Es sei genügend Ware vorrätig und genug vorbestellt, sagt er.

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