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Die aktuellen Kennzahlen zur Corona-Pandemie sprechen noch nicht für einen Lockdown, sagte Hartmut Hengel, Virologe an der Uniklinik Freiburg, im Gespräch mit SWR Aktuell.

Angesichts steigender Infektionszahlen in Baden-Württemberg werden härtere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie diskutiert. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte beispielsweise einen gut einwöchigen Lockdown in Deutschland vorgeschlagen, bei dem auch Schulen, Kitas und Geschäfte schließen sollten. Dafür gebe es momentan noch keinen Grund, sagte der Virologe der Freiburger Uniklinik.

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Zahlen zeigen: Kontaktbeschränkungen sinnvoll

Als Virologe schaue er auf die Zahlen, so Hengel. Dabei gehe es nicht nur um die Zahl der Neuinfektionen, sondern auch darum, wie viele Infizierte im Krankenhaus oder gar intensivmedizinisch behandelt werden müssten. Zudem beobachte er die Zahl der in Zusammenhang mit dem Virus Verstorbenen und Parameter, die die Infektionsdynamik beschreiben, also beispielsweise der R-Wert (Ansteckungsrate).

"Wenn man alle diese Zahlen zusammennimmt, dann würde ich sagen, momentan gibt es noch keinen echten Grund für einen harten und womöglich auch unbegrenzten Lockdown." Stattdessen seien gezielte Kontaktbeschränkungen sinnvoll. Ein harter Lockdown sei zweifellos erfolgreich, die Maßnahmen im Frühjahr hätten allerdings auch gezeigt, dass die Mitarbeit der Bevölkerung entscheidend sei. Denn die positive Entwicklung hätte damals bereits vor dem Lockdown eingesetzt.

Zahlen könnten günstigeren Trend beschreiben

Der Anstieg der Infektionszahlen Mitte Oktober sei zwar exponentiell gewesen, allerdings könnten die Zahlen der vergangenen Tage schon wieder einen etwas günstigeren Trend beschreiben. Was nun angesagt sei, so der Virologe, sei die Mitarbeit der gesamten Bevölkerung. "Wir müssen vermitteln, dass die Unterbrechung jeder einzelnen Infektionskette sich lohnt."

Beratungen im Kanzleramt am Mittwoch

Das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie soll am Mittwoch bei einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs besprochen werden. Dabei will sich das Kanzleramt für mögliche weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens einsetzen. Das Kanzleramt wolle unter anderem bei Gastronomie und Veranstaltungen hart vorgehen. Das geht aus einer Beschlussvorlage hervor, die dem SWR vorliegt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will sich dementsprechend erst am Mittwochabend nach den Gesprächen äußern.

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