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Der Freiburger Medizinstatistiker Gerd Antes übt erneut scharfe Kritik an der deutschen Corona-Politik. Doch ausgerechnet bei der viel gescholtenen Impfstrategie gibt er sich optimistisch.

Der Freiburger Medizinstatistiker Gerd Antes sieht Deutschland bei den Corona-Impfungen trotz aller Kritik auf einem guten Weg. Trotz derzeit unzureichender Impfraten in Deutschland würden sich dennoch erste Erfolge zeigen. "Wir sehen ja, dass die Todeszahlen schon massiv heruntergegangen sind", sagte Antes im SWR-Interview. Diesen Weg müsse man nun konsequent weitergehen, das Impfen sei der Ausweg aus der Pandemie.

Corona-Impfungen: Umgang mit Astrazeneca "genau richtig"

Auch den viel kritisierten Umgang mit dem Wirkstoff von Astrazeneca bewertet Antes positiv. "Diese Pausen einzulegen und abzuklären, wie die Risikoverhältnisse sind, finde ich genau richtig." Bund und Länder waren am Dienstagabend der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gefolgt, das Präparat von Astrazeneca in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Zuvor waren die Impfungen mit Astrazeneca aus diesem Grund zeitweise ganz ausgesetzt worden.

"Die Situation wird überdramatisiert", sagte Antes mit Blick auf die zuletzt immer schärfere Kritik an der deutschen Impfkampagne. "Wir haben in Weltrekordzeit Impfstoffe entwickelt. Dass das nicht so glatt geht, wie man sich das im Wunschdenken erträumt, finde ich nicht überraschend."

Von Lockdown zu Lockdown: "Wir haben die Zeit komplett verschenkt"

Ansonsten sei die deutsche Corona-Politik aber weiterhin mangelhaft. "Seit über einem Jahr wird konsequent vermieden, die Daten zu erheben, die uns helfen würden, das Geschehen besser zu verstehen", so Antes. Auch aus seiner Sicht notwendige Maßnahmen wie Zugangsbeschränkungen in Supermärkten würden weiter nicht umgesetzt. Stattdessen habe man weiter nur den nächsten Lockdown als Antwort. "Wir haben ein Jahr Zeit gehabt, intelligenter zu agieren. Diese Zeit haben wir komplett verschenkt."

Verbot von Urlaub in Ferienwohnungen "sinnlos und falsch"

Das Verbot, selbst in Ferienwohnungen Urlaub zu machen, bezeichnet Antes als "nicht nur sinnlos, sondern auch falsch". Die Menschen in der Fläche in Ferienwohnungen zu verteilen ergebe mehr Sinn, als sie in den Städten festzuhalten. Die Möglichkeit, auf Mallorca Urlaub machen zu können, bezeichnete Antes als "grundfalsch" und "völlig unverständlich". Er vermute dahinter eine "opportunistische Entscheidung der Politik, um Stimmungspunkte sammeln zu können." Nicht nur der Urlaub auf der Insel, sondern auch die Anreise sei sehr risikoreich.

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