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Mehr als 50 Betriebe im Land sind von der Vogelgrippe betroffen, fast alle davon in Südbaden. Ein mobiler Händler aus Nordrhein-Westfalen hat seine Tiere fast nur an Hobby-Halter verkauft.

Es sind Begriffe, die wir nach einem Jahr Corona-Pandemie gut kennen: diffuses Ausbruchsgeschehen, epidemiologisch und Kontakt-Nachverfolgung. Aber dieses Mal geht es um Geflügel, genauer um einen Ausbruch der Vogelgrippe in Baden-Württemberg, mit dem Schwerpunkt auf Südbaden. Das bestätigt Birte Könnecke, Tierseuchenreferentin im Regierungspräsidium Freiburg: "Wir haben inzwischen auch die bestätigten Ergebnisse von den ersten Betrieben vom Friedrich-Loeffler-Institut, dass es wirklich hochpathogene aviäre Influenza ist mit diesem Subtyp H5N8, der ja auch in Norddeutschland schon seit einigen Wochen wütet."

Zwei Tage unterwegs, mehr als 50 Betriebe betroffen

Verantwortlich ist ein mobiler Geflügelhändler, der am 18. und 19. März, also vor einer Woche, in der Region unterwegs war. Er hat seine Tiere vor allem an Hobby-Halter verkauft. Das macht es so schwierig, alle nachzuverfolgen. Mit Glück haben die Landratsämter die Nachnamen der Halterinnen und Halter vorliegen, sagt Birte Könnecke.

"Das sind größtenteils Kleinstbetriebe, die irgendwie vier Hühner in ihrem Vorgarten halten oder 20 Hühner auf ihrem Hof herumlaufen lassen."

Birte Könnecke, Regierungspräsidium Freiburg

So unübersichtlich die Lage für die Veterinärämter in den Landkreisen ist, so emotional aufgeladen ist das Thema für die betroffenen Halter. Unvorstellbar, findet auch Geflügelhalter Jochen Zimmermann. Er hat einen Betrieb in Freiamt im Landkreis Emmendingen mit 1.200 Legehennen. Ganz andere Dimensionen, aber über Wildvögel oder kleine Nagetiere könnte sich die Vogelgrippe auch bis zu ihm ausbreiten. "Das wäre eigentlich so das Schlimmste, was einem Hühnerhalter passieren kann, wenn sowas auf dem eigenen Hof vorkommt", so Zimmermann.

Registrierung ist wichtig

Nicht betroffene Tiere schützen – betroffene Haltungen schließen. Die Landratsämter handhaben den Ausbruch unterschiedlich. Mal sind es drei Betriebe pro Landkreis, mal 20. Der aktuelle Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass sich alle Halterinnen und Halter registrieren lassen. Und dass sich diejenigen bei ihren zuständigen Landratsämtern melden, die Tiere von dem Händler aus Nordrhein-Westfalen gekauft haben.

Bürokratie in vollem Gange

Während die Haltungen geschlossen, Tiere getötet oder Kadaver entsorgt werden, ist der Verwaltungsapparat angelaufen. Für die Veterinärämter bedeutet das: Betriebe registrieren, in das Tierseuchen-Nachrichtensystem einpflegen, Verfügungen für die Massentötungen ausstellen, Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete einrichten.

Noch keine Entwarnung

Erst Wochen nach der Desinfektion einer Haltung können dort wieder Tiere einziehen. Bis dahin hoffen die Behörden, dass sich alle betroffenen Halterinnen und Halter melden - und sich das Geschehen nicht unbeobachtet weiter ausbreitet.

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