Menschen in Südbaden gedenken der Reichspogromnacht. (Foto: picture alliance / dpa | Stefan Puchner)

In der Nacht vom 9. auf 10. November

Menschen in Südbaden gedenken der Reichspogromnacht

Stand

In Südbaden gedenken Menschen der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. In dieser Nacht riefen Nationalsozialisten dazu auf, Juden zu misshandeln und zu töten.

In dieser einen Nacht, vor 84 Jahren, wurden jüdische Geschäfte zerstört, Synagogen niedergebrannt und Juden misshandelt und getötet. Um der Reichspogromnacht zu gedenken, gibt es verschiedene Veranstaltungen in Südbaden. Hier ein Überblick.

Gedenkveranstaltungen der Reichspogromnacht

In Waldshut-Tiengen zum Beispiel wurde in der Reichspogromnacht das Mobiliar der ehemaligen Synagoge verwüstet: Toraschrein, achtarmige Leuchter, Sitzbänke wurden mit Äxten zerschlagen. In einer Gedenkfeier am Mittwoch von 18 bis 19 Uhr wollen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt gemeinsam mit den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden an die Opfer des Nazi-Terrors erinnern.

Menschen in Lörrach gedenken der Reichspogromnacht. (Foto: Stadt Lörrach / Sonja Raupp)
In Lörrach gibt es eine Mahnwache zur Pogromnacht.

In Lörrach findet am Mittwoch eine Mahnwache auf dem Neuen Markt statt. Oberbürgermeister Jörg Lutz eröffnet um 18 Uhr die Gedenkstunde. Ein Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Lörrach wird ein Gebet für die Opfer des Nationalsozialismus sprechen. Als Vertreter der Gruppe Abraham wird außerdem Pfarrer Michael Hoffmann Gedenkworte und ein Gebet sprechen.

Auch in Rottweil findet um 18 Uhr eine Gedenkveranstaltung vor der ehemaligen Synagoge statt. In Villingen-Schwenningen soll um 19 Uhr ein Kranz an der Gedenktafel für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft niedergelegt werden. In Offenburg wird Julia Wolrab am Donnerstag um 19 Uhr zum Thema "Erinnern - aber wie" sprechen. Wolrab ist Leiterin des künftigen NS-Dokumentationszentrums in Freiburg.

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9.11.1938 Hitler in der Reichspogromnacht

9.11.1938 | Am 9. November 1938 um Mitternacht vereidigt Adolf Hitler in München den neuen Jahrgang der SS-Verfügungstruppen und der Totenkopfbände. Seine Rede erinnert daran, dass es kein Zufall ist, dass die Pogrome auf den gleichen Kalendertag fallen wie die Ausrufung der Republik 20 Jahre zuvor. Und wie sehr Hitler im 9. November seinen persönlichen Kampftag sieht. Hitler erinnert an den Sturz der Monarchie und die Kapitulation 1918, die er als Schande und Volksverrat bezeichnet. Und er erinnert an seinen gescheiterten Putsch in München, den er damals auch schon bewusst am 9. November 1923 plante. Genau im Gedenken an jenen Putsch hatte sich die NSDAP-Führung ja an jenem Abend auch auf dem Odeonsplatz getroffen. Schon vor Hitler hatte Goebbels in einer Hetzrede erklärt, dass sich die Partei antijüdischen Aktionen nicht in den Weg stellen werde. Im Anschluss ergingen die Anweisungen an die SA und die Gaupropagandaleitungen zur Zerstörung der Synagogen und jüdischer Geschäfte. Als gegen Mitternacht Hitler spricht und die neuen SS-Rekruten vereidigt, brennen bereits die ersten Häuser. Angekündigt wird Hitler vom Reichsführer der SS Heinrich Himmler. Auf das, was in dieser Nacht noch geschehen würde, geht Hitler nicht ein.

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SWR