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Was passiert mit der großen Gaskugel in Freiburg? Das wollen Architekturstudenten aus Stuttgart beantworten. Sie haben Entwürfe vorgelegt. Der Bürgerverein vor Ort hat aber eine ganz eigene Meinung.

Früher mit etwa 120.000 Kubikmeter Gas gefüllt, ist sie seit 2019 außer Betrieb und steht mittlerweile offiziell unter Denkmalschutz: die große Gaskugel im Freiburger Stadtteil Betzenhausen. Die Zukunft der Kugel ist ungewiss. Vier Architekturstudenten aus Stuttgart haben zum Teil sehr futuristische Entwürfe erarbeitet, die aktuell in einer Ausstellung zu sehen sind.

Mehr als ein halbes Jahrhundert steht der Metallkoloss schon am Dreisamufer. Viele Generationen sind damit aufgewachsen, sagt Werner Hertleif vom Bürgerverein Betzenhausen: „Ein Element, das den Stadtteil in den letzten 50 Jahren optisch geprägt hat, es hat ihn aber auch von Anfang geprägt in Form von Gefahr." Es gab von Anfang an viele Diskussionen um die Kugel, die dadurch zu einem Merkmal für Betzenhausen und auch für die Stadt wurde.

Explodieren kann die Kugel nicht mehr

Die Gefahr einer mächtigen Explosion besteht nicht mehr. Nur wie soll die Kugel in Zukunft genutzt werden? Wohnen ist dort kein Thema. "Aus der Gaskugel kann man viel machen. Ob das Lichteffekte sind, irgendwas in Richtung Ton, Musik, wie auch immer. Im Augenblick ist unsere Priorität, aus dem Gebiet, auf dem die Gaskugel steht und die Dreisam daneben, ein Erlebnis zu machen. Aber ein sanftes Erlebnis. Ein Strandcafé, irgendwas in dieser Richtung war schon der Gedanke", so Hertleif.

Futuristisch und künstlerisch spannend

Vier Architekturstudenten aus Stuttgart haben als Masterarbeit Entwürfe erarbeitet, die zurzeit in Betzenhausen ausgestellt sind. Futuristisch und künstlerisch spannend, findet die Freiburger Kunsthistorikerin Heike Piehler. Ein Beispiel: "Die Idee, dass man eine zweite Kugel neben der Gaskugel versenkt, ist natürlich ein Hirngespinst. Aber es ist einfach eine sehr schöne Idee. Man bekommt dadurch einen fantastischen Raum, der so ein Stückchen in die Erde reingeht und der quasi als Gewölbe oben aus der Erde rausschaut." Alle Entwürfe sind bisher nur Gedankenspiele, mehr nicht, geben Heike Piehler und Werner Hertleif zu.

„Das hier ist reine Ideenfindung. Da ist annähernd nichts, dass wir als realistisch einschätzen, dass das mal gemacht wird.“

Werner Hertleif, Bürgerverein Betzenhausen

Finanzierung vollkommen unklar

Es geht den Menschen in Betzenhausen aktuell darum, sich inspirieren zu lassen, um die Gaskugel zukünftig sinnvoll als Industriedenkmal und Symbol der eigenen Vergangenheit zu erhalten. Wegen der Corona-Pandemie ist die Finanzierung möglicher Projekte aktuell noch unklar. Die Gaskugel bleibt also erstmal eine riesige leere Kugel am Dreisamufer.

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