Friseurin Barabara Martin in ihrem Salon in Murg (Foto: SWR, Petra Jehle)

Friseurin aus Murg will klagen

Rückzahlung von Coronahilfen bringt Friseure in Existenznot

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Die Soforthilfen haben Friseurin Barbara Martin aus Murg vergangenes Frühjahr über die Lockdown-Zeit gerettet. Jetzt soll sie einen großen Teil der Hilfen wieder zurückzahlen. Nur wie?

Es ist noch früh am Nachmittag, doch Barbara Martin bedient schon jetzt ihre letzte Kundin für heute. Ihr Laden liegt in einer Seitenstraße im Ortskern von Murg (Landkreis Waldshut). Sie hat viele Stammkunden. Doch auch die kommen seit Ausbruch der Pandemie jetzt seltener als früher. "An manchen Tagen sind es nur 50 Prozent", berichtet die Friseurin.

"Ich kann definitiv sagen, dass ich die letzten zwei Monate nur noch gearbeitet habe, um meine Rentenkasse, meine Krankenkasse und meine Pacht hier zu bezahlen."

Als sie das erzählt, hat Barbara Martin Tränen in den Augen. Sie liebt ihre Arbeit, der Laden ist ihr Leben. Dabei sah es zeitweise gut aus: Im Frühjahr 2020 hatte sie 9.000 Euro Soforthilfe bekommen: jeweils 3.000 Euro für März, April und Mai. "Es hat gereicht, weil ich auf meine Rücklagen zurückgreifen konnte", sagt Martin. Auch ihre Eltern haben sie finanziell unterstützt.

Erst Hoffnung, dann eine lange Durstrecke

Nach der schnellen Hilfe gab es ein kurzes Hoch und dann begann die lange Durststrecke. Und jetzt soll sie auch noch die 9.000 Euro Soforthilfe vom letzten Jahr zurückzahlen. Für die Friseurin eine Katastrophe.

"Diese Soforthilfen wurden bezahlt, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden", erklärt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK), Claudius Marx.

"Wenn es jetzt besser gekommen ist, also dass das Unternehmen auch ohne Unterstützung in der Lage gewesen wäre, seine fixen Kosten zu decken, dann war eben keine Notlage gegeben, dann waren die Voraussetzungen für die Auszahlungen nicht erfüllt und dann muss wieder zurückgezahlt werden."

Marx sagt, die Regelungen seien mit "heißer Nadel“ gestrickt worden. Deshalb wurden die Bedingungen nachträglich mehrfach geändert. Die Schwierigkeiten: Friseure können die erste Lockdown-Woche gar nicht anrechnen. Und vor allem: Nach den sieben Wochen Lockdown haben sie kurzzeitig Überstunden gemacht - der dadurch zeitweise höhere Umsatz wird aber auf alle drei Monate umgelegt. Trotzdem verteidigt Marx die Nachprüfungen der Soforthilfe: Es gehe darum, die Fälle von Missbrauch - geschätzt 20 bis 30 Prozent - aufzudecken.

IHK fordert Hilfsprogramme für Härtefälle

Für Fälle wie den von Barbara Martin fordert Marx andere Lösungen. "Wenn die Kundenfrequenz so stark abnimmt, dass für mache Unternehmen das Offenhalten teurer ist, als das Geschlossensein, dann müssen wir auch in dieser Phase Hilfsprogramme auflegen. Und ich denke, das werden wir auch bekommen."

Für manches Geschäft könnte das aber zu spät kommen. Barbara Martin und ihre Friseur-Kolleginnen und -Kollegen wollen sich auf solche Versprechungen nicht mehr verlassen. Sie haben eine Initiative gegründet, die Geld für einen Musterprozess sammelt. Und auch innerhalb der Friseurinnung wird bereits an eine Sammelklage gedacht.

"Ich sehe es nicht ein, dass man unsere Existenz kaputt macht, dass die kleinen Betriebe die Pandemieverlierer sind. Ich bin kein Mensch der neidisch ist, aber irgendwo hört es auf."

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