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Tausende Rehkitze sterben im Sommer auf grausame Art und Weise. Sie verlassen sich im hohen Gras oder Getreide auf ihre Tarnung, aber wenn der Mähdrescher kommt, nutzt ihnen das nichts.

Immer dann, wenn die Landwirte im Sommer die Felder und Wiesen mähen sind Rehkitze großer Gefahr ausgesetzt. Vom Mähdrescher aus werden sie oft nicht oder zu spät gemerkt - dann sind sie meist qualvoll gestorben. Freiwillige Rehkitz-Retter wollen das verhindern, zum Beispiel im Raum Freiamt bei Emmendingen.

Gleich ist ein Rehkitz in Sicherheit – Tierschützerin Tamara Liebig trägt es an den Waldrand. Die Mutter ist geflüchtet, das Kitz würde sich auf seine Tarnung verlassen und liegen bleiben. Eine Todesfalle, wenn hier der Mähdrescher kommt und gemäht wird. Im "letzten Moment" ist gerade noch mal alles gut gegangen.

"Alleine das ist es schon, wenn man merkt, wie dankbar man für so einen Tag einfach sein kann - wo man weiß, dass man viele Kitze gerettet hat."

Der Einsatz beginnt vor Sonnenaufgang. Tamara Liebig und Kreisjägermeister Joachim Göhringer haben Unterstützung von mehreren Teams der Rehkitzhilfe Südbaden – inklusive Drohne mit Wärmebildkamera. Es muss noch kühl sein, denn so lassen sich die Rehe und ihre Kitze als helle Wärme-Punkte erkennen. Alle hier arbeiten ehrenamtlich und stehen freiwillig früh auf, um die Tiere vor dem Mähtod zu retten.

"Wenn man erlebt wie es aussieht, wenn ein Bauer ein Kitz vermäht hat - das ist ein sehr übles Bild. Wenn man dann noch mitbekommt wie Kinder das Kitz finden, dann ist das ein Moment - da merkt man: Oh Gott, auf keinen Fall darf sowas passieren. Dafür steht man auch gerne morgens um vier auf."

Das erste Kitz ist gefunden, die Geiß flüchtet in den angrenzenden Wald. Niemals hätte man dieses Junge gefunden ohne Drohne und Wärmebildkamera. Korb darüber und Fahne dazu, so weiß der Bauer später, wo er nicht mähen darf. Inzwischen schließen sich immer mehr Landwirte, Tierschützer und Jäger zur Rehkitz-Rettung zusammen erzählt Kreisjägermeister Joachim Göhringer aus Sexau: "Landauf, landab in Baden-Württemberg bilden sich diese Drohnen-Teams zur Kitzrettung in den verschiedenen Jäger-Vereinigungen. Das ist einfach jetzt richtig so."

Tatsächlich werden die Rehkitzretter immer häufiger von Landwirten vor dem Mähen gerufen. Es ein großer Aufwand, aber er lohnt sich: Allein an diesem Wochenende entdecken sie rund um Freiamt und Emmendingen zehn Rehkitze und bringen sie in Sicherheit. In den nächsten Tagen werden Tamara Liebig und Joachim Göhringer immer wieder in den frühen Morgenstunden unterwegs sein, um Rehkitze aufzuspüren und vor dem Mähtod zu retten.

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