Passanten gehen durch die Freiburger Innenstadt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Philipp von Ditfurth/dpa)

Reaktionen auf Aus für Modehaus Kaiser

Aus für Freiburger Modehaus: "Es geht um unsere europäische Stadtkultur"

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Die Nachricht von der Schließung des Modehauses Kaiser hat in Freiburg viele betroffen macht. Kunden reagierten schockiert, die Wirtschaftsförderung sieht gar die Stadtkultur in Gefahr.

Das Modehaus mit seinen drei Standorten in der Freiburger Innenstadt wird Ende Juni 2022 schließen. 215 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihren Job. Als Grund für das Ende nannte das traditionsreiche Unternehmen den Strukturwandel und die Corona-Pandemie. Die Badische Zeitung hatte über das Aus zuerst berichtet.

Das familiengeführte Modehaus sei "schlichtweg zu klein", um sich gegen die wachsende Konkurrenz im Onlinehandel durchzusetzen, hieß es in einer Pressemitteilung. Deshalb habe das Unternehmen bereits in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr ausreichend Renditen erwirtschaftet. Die Corona-Pandemie habe den Trend zu mehr Onlinehandel noch bestärkt. Und die Lockdowns hätten zudem zu erheblichen Verlusten geführt. Für die Beschäftigten sollen faire und soziale Lösungen gefunden werden, hieß es.

Hanna Böhme, die Geschäftsführerin der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM), sieht in der Schließung ein weiteres Symptom für einen allgemeinen Strukturwandel im Handel - mit gravierenden Konsequenzen für die Innenstädte.

"Natürlich muss man sich die Frage stellen: Wie kaufen wir in Zukunft ein? Warum gehen wir überhaupt noch in eine Stadt? Es geht um unsere europäische Stadtkultur."

Modehaus Kaiser in Freiburg (Foto: SWR)
Das Traditions-Modehaus Kaiser in Freiburg macht dicht

Diese Fragen stellten sich gerade alle deutschen Kommunen. Dahinter stehe der Trend weg von inhabergeführten Läden hin zu großen Handelsketten und zum Onlinehandel, der sich schon vor Corona abgezeichnet habe, so Böhme. Kunden in der Freiburger Innenstadt reagierten schockiert auf die Ankündigung des Modehauses. "Ich dachte, das kann nicht sein, der Kaiser bestimmt nicht", sagte eine Frau, "ich bin fassungslos."

"Das war ja das Schöne, dass man nicht bei irgendeiner Kette von der Stange kauft. Ich kenne den ein oder anderen Verkäufer persönlich und finde es schade, dass sie zumachen. Noch mehr Ketten braucht kein Mensch."

Auch der Freiburger Einzelhandel zeigt sich erschüttert. Der Handelsverband Südbaden befürchtet eine Kettenreaktion und weitere Ladenschließungen. Geschäftsführer Peter Spindler findet deutliche Worte:

"Das ist schon ein Fanal. Es muss dringend etwas geschehen, damit hier, wie bei der Klimakrise, kein Kipppunkt entsteht. Denn wenn zuviele ihre Geschäfte aufgeben wollen, dann wird die Stadt das nicht überleben."

Das Modehaus selbst wollte sich zunächst nicht auf weitere Nachfragen zu den Gründen für die Schließung äußern. Bei der Verkündung der Pläne am Dienstag seien bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aber Tränen geflossen, berichtete die Kaiser-Marketingchefin.

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