STAND

In Zeiten von Abstandhalten hat es die Kulturszene besonders schwer. Auftrittsmöglichkeiten gibt es nur noch im Netz. Ein solches Online-Format hat nun auch der Freiburger Verein Kulturaggregat gestartet.

Alle analogen Auftrittsmöglichkeiten liegen auf Eis

Mit dem Projekt "Karantöne" des Vereins Kulturaggregat haben Freiburger Kunstschaffende nun eine virtuelle Bühne zur Verfügung. Der Name spielt auf die heikle Quarantänesituation an, in der sich Künstlerinnen und Künstler in ihrem Schaffen de facto gerade befinden. "Auftritte und Konzerte regulärer Art finden zur Zeit nicht statt, weil alles weggebrochen ist. Alles ist momentan auf Eis gelegt", sagt die Freiburger Musikerin Debbie Ela. "Da kam dieses Projekt genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe sofort gesagt, ok, ich mache jetzt das!" Und so präsentiert sich die 32-Jährige statt im Konzertsaal nun zu Hause. Auf dem Sofa, solo. Mit einer E-Gitarre in der Hand, spielt und singt sie dort romantische Stücke.

Dauer

Online-Projekt "Karantöne" kommt gut an

Normalerweise bietet der Freiburger Kulturverein in seinen großzügigen Räumlichkeiten ein Podium für Kunstschaffende aller Art. Gäbe es den Lockdown nicht, würden dort Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattfinden. Die Online-Plattform ist eine Art Rettungsversuch für die Freiburger Kunstszene, so Vereinsvorstand Darwin Zulkifli: "Wir haben ein sehr gutes Feed-Back, die Künstler nehmen es sehr dankbar an, weil eh alle zuhause sitzen und trotzdem Kunst machen. Wir generieren dadurch ein bisschen Geld, weil man für das Karantöne-Projekt auch spenden kann."

Der Verein selbst versucht mit dem Projekt auch, die eigene Durststrecke irgendwie zu überbrücken. Darwin Zulkifli sieht große Fragezeichen: "Wir wissen nicht, wie lange das jetzt noch so weitergeht. Wir haben eine Förderung von der Stadt. Die reicht eben noch ein paar Monate. Dann ist es auch vorbei." Trotz großer Unsicherheit überwiegt aber noch der Optimismus, dass es nicht so weit kommt.

Kunstschaffende bleiben optimistisch

Auch in der Szene sei man noch optimistisch, betont der Freiburger Sprach-Künstler Gottfried Haufe: "Den Künstlerinnen und Künstlern geht noch nicht die Puste aus." Sie seien noch gut dabei, auch dank staatlicher Soforthilfen. Der 29-Jährige, der sich selbst als Schreiberling bezeichnet, hat sein Karantöne-Video draußen, auf einer kleinen Brücke gedreht: im Schneidersitz, den Laptop auf den Knien. Er hatte keine Lust auf eine Einstellung vom Schreibtisch in seiner Wohnung und wollte die Kunst dorthin bringen, wo die Menschen sich aktuell am Liebsten aufhalten, nämlich in der Natur. Dort liest er - während der Bach unter ihm rauscht - den "Appell für romantische Liebeserklärungen" und andere seiner Texte vor, ganz ohne Publikum. Eine ungewohnte, vor allem einsame Art der Darstellung, wie er findet.

Auch Musikerin Debbie Ela vermisst die Interaktion mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Doch die Situation ist wie sie ist und Online-Formate wie das Karantöne-Projekt des Freiburger Kulturaggregats werden wohl noch einige Zeit die echten Bühnen ersetzen müssen. Solange ist das virtuelle Podium eine gute Alternative, finden Debbie Ela und Gottfried Haufe. Vielleicht liegt darin sogar eine Chance. Der Verein Kulturaggregat plant jedenfalls die Online-Plattform auch für Nach-Corona-Zeiten auszubauen.

STAND
AUTOR/IN