Die erste Runde bei den französischen Präsidentschaftswahlen ist gelaufen (Foto: picture alliance/dpa | Jean-Francois Badias)

Kopf-an-Kopf-Rennen auch im Elsass

Frankreichexperte fürchtet Nachteile für Oberrhein bei Le Pen-Sieg

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Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen: Frankreichexperte Marcus Obrecht von der Uni Freiburg sieht die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Gefahr.

Unsere französischen Nachbarn haben gewählt. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen liegen der amtierende Präsident Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen vorne und treten damit nach Ostern in der entscheidenden Stichwahl gegeneinander an. Der Politikwissenschaftler und Frankreich-Experte Marcus Obrecht von der Universität Freiburg sieht dabei für Le Pen eine Chance auf die Mehrheit im zweiten Wahlgang. Allerdings, sagt Obrecht, haben die anderen Parteien mit großer Mehrzahl dazu aufgerufen, für Amtsinhaber Macron zu stimmen. "Wahrscheinlich aber wird es ein engeres Rennen, als das noch vor fünf Jahren der Fall war."

"Ein Sieg von Le Pen wäre eine Erschütterung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit."

Im Elsass mit den Départements Haut Rhin und Bas Rhin liegt die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen wie insgesamt in Frankreich auf Platz zwei hinter Amtsinhaber Emmanuel Macron. In der Region Grand Est, zu der das Elsass gehört, liegt sie sogar auf Platz eins. Ein Sieg Le Pens bei der Stichwahl am 24. April 2022 würde eine Erschütterung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit am Oberrhein bedeuten, fürchtet Marcus Obrecht. "Denn dann würde das, was man aufgebaut hat, über Jahrzehnte in der deutsch-französischen Freundschaft, so nicht mehr weitergeführt werden können. Le Pen hatte im Vorfeld angekündigt, gerade das Verhältnis zu Deutschland zu revidieren."

Wie entscheiden sich die Mélenchon-Wählerinnen und Wähler?

Der linksextreme Kandidat Jean-Luc Mélenchon, der landesweit 22 Prozent geholt hat, lag im ersten Wahlgang am Sonntag in Straßburg sogar auf Platz eins mit 36 Prozent. Er selbst hat nun dazu aufgerufen, nicht Marine Le Pen zu wählen. "Aber das bedeutet, man kann sich auch enthalten", so Marcus Obrecht. "Und man vermutet, dass tatsächlich viele von den über 20 Prozent Wählerinnen und Wählern von Mélenchon dann tatsächlich nicht zur Wahl gehen. Also das ist eines der großen Risiken, die Macron hat."

"Frankreich ist ein zerrissenes Land."

In der aktuellen Wahl haben rund 50 Prozent der Französinnen und Franzosen für eine rechts- oder linksextreme Politik gestimmt. Für den Frankreich-Experten an der Uni Freiburg, Marcus Obrecht, liegt das daran, dass die republikanischen Ideale sowohl von linker wie auch von rechter Seite sehr stark angegriffen werden. Das sei eine Situation, die sich seit mehreren Jahrzehnten immer wieder verstärkt habe. So seien die etablierten, gemäßigteren Parteien am Ende. "Der einzige Stabilitätsanker in diesem Parteiensystem ist nur noch Emmanuel Macron", sagt Obrecht.

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