Demonstrationsrecht versus Gewerberecht

Freiburger Einzelhandel leidet unter Corona-Demos

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Sebastian Bargon/Gabi Krings

Seit Wochen wird in Freiburg samstags gegen die Corona-Politik demonstriert. Am eigentlich umsatzstärksten Wochentag ist das für den Einzelhandel eine wahre Belastungsprobe.

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Schon den fünften Samstag in Folge gab es am Samstag am nordwestlichen Rand der Freiburger Innenstadt eine Großdemonstration gegen die Corona-Politik. Nach Polizeiangaben zogen rund 4.000 Menschen durch die Straßen, begleitet von einem Großaufgebot an Polizeikräften. Wichtige Zufahrtsstraßen wurden gesperrt und die Tiefgaragen der City blieben leer. Die Kundschaft aus dem Umland machte sich rar an diesem normalerweise verkaufsstärksten Wochentag.

Gestresste Kundschaft wegen Sperrungen

Diejenigen, die sich dennoch in die Freiburger Innenstadt durchgekämpft haben, waren genervt. "Wir haben die gesperrte Straße gesehen und haben gesagt, oh nein, das tun wir uns jetzt nicht an", erzählte ein Mann aus Ehrenkirchen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), der dringend neue Schuhe brauchte und die Strapazen deshalb auf sich genommen hat. "Das ist Stress", ergänzte seine Frau. Sie wäre lieber wieder umgekehrt.

Umsatzverluste wegen Großdemos

Die Samstags-Demos seien ein großes Problem, berichtete Martin Lauby von der Händlergemeinschaft "z´Friburg in der Stadt". Der Manager des Einkaufszentrums "Schwarzwald City“ beklagte die immer gleiche Demonstrationsroute. Dadurch würden immer die gleichen Geschäfte abgeriegelt und hätten jede Woche gravierende Umsatzverluste.

"Unser großes Problem ist, dass die Demonstration immer an der gleichen Stelle stattfindet, das heißt, es ist eine komplette Abriegelung damit verbunden. Für die Geschäfte - insbesondere für die kleinen Geschäfte - ist das eine Existenzbedrohung."

Polizeiaufgebot statt Kundenandrang

Die Demonstrationen sollten zukünftig an wechselnden Standorten stattfinden, damit die Lasten gleichmäßig von allen Läden getragen würden, forderte Lauby. Die Stadt müsse dringend handeln. Schließlich gebe es nicht nur ein Demonstrationsrecht, sondern auch ein Gewerberecht. So sieht es auch Peter Jenniches vom Laufschuhladen City Sport. Sein Samstagsumsatz sei durch die Demos um 30 bis 50 Prozent eingebrochen.

"Die Leute von extern kommen nicht mehr in die Stadt. Normalerweise ist hier samstags Stau vor der Tiefgarage, jetzt haben wir Stau von Polizeitransportern. Die Friedrichstraße ist heute von 9:30 Uhr bis 19 Uhr gesperrt, das heißt, da kommt halt niemand zu uns."

Protestierende sehen sich als Retter des Einzelhandels

Malte Wendt, Organisator der Samstagsdemos in Freiburg, zeigte Verständnis für die Sorgen der Ladenbetreiber. Man wolle sich Gedanken machen über eine andere Route und sei darüber im Gespräch mit der Stadt. Gleichzeitig betonte er, dass die Demonstrationen dem Einzelhandel nicht schaden würden. Im Gegenteil: Man verstehe sich als Retter des Einzelhandels. Denn nicht der Protest gegen die Corona-Vorschriften würde den Umsatz der Freiburger Geschäfte einbrechen lassen, sondern Lockdowns, Maskenpflicht sowie 2G- und 3G-Nachweise.

"Wir sind die letzte Rettung des Einzelhandels. Die werden nicht durch uns kaputt gemacht. Wir sind diejenigen, die für die Geschäftsleute aufstehen. Die sollten sich uns eigentlich anschließen!“

Malte Wendt gab sich zuletzt kämpferisch: Er will so lange weiter Samstagsdemos organisieren, bis die Politik alle Corona-Einschränkungen aufgehoben hat. Eine Ankündigung, die den Freiburger Einzelhandel wohl kaum erfreuen dürfte.

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