Spritze wird in Arm injeziert (Foto: SWR)

Diskussion nimmt Fahrt auf

Freiburger Arztpraxen: Frage nach dritter Impfung kommt immer öfter

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Rund 60 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg sind komplett gegen Corona geimpft. Jetzt werden die Fragen nach der dritten Impfung immer lauter.

Ab 1. September bietet das Land den über 80-Jährigen eine dritte Impfung an, die sogenannte Auffrischungs- oder Booster-Impfung. Auch Beschäftigten in Pflegeheimen und Menschen mit Immunschwäche wird diese dritte Impfung angeboten. Außerdem jenen, die "nur" mit AstraZeneca geimpft wurden. Die Bedingung dafür: Die zweite Impfung muss mindestens sechs Monate zurückliegen. Die Aktion "Dritte Impfung" ist nicht unumstritten, hat SWR-Reporterin Tamara Spitzing ermittelt.

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Hausärztin: Risikogruppen drittimpfen für sicheren Schutz

In ihrer Freiburger Praxis impft die Hausärztin Larissa Giebelhaus schon seit Monaten gegen Covid-19. Die Booster-Impfung begrüßt sie grundsätzlich: "Was man jetzt so aus Israel hört ist, dass der Impfschutz möglicherweise doch nachlässt. Ich finde es daher schon sinnvoll, dass man - wenn man wirklich sicheren Schutz haben möchte - die Risikogruppen auf jeden Fall ein drittes Mal impft."

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Grünes Licht von der Kassenärztlichen Vereinigung für den Booster hat Larissa Giebelhaus schon. Seit die Pläne zur Auffrischungsimpfung bekannt sind, haben sich etliche Patientinnen und Patienten angemeldet, sagt die Freiburger Ärztin für Allgemeinmedizin: "Die Nachfragen kamen schon früher, vor allen Dingen von Patienten, die mit Vektorimpfstoffen geimpft wurden, also mit AstraZeneca speziell. Und die haben sich ja schon vorsorglich eintragen lassen - tatsächlich für September."

Virologin: Covid-Drittimpfung sinnvoll - unter Vorbehalt

Die Virologin Daniela Huzly vom Uniklinikum Freiburg hält eine dritte Impfung medizinisch zwar für sinnvoll, hat aber dennoch Vorbehalte: "Also eine dritte Impfung muss man bestimmten Personen sicher anbieten, aber der September ist noch zu früh. Die Zulassung ist schlicht und einfach noch gar nicht da im September. Die wird von Biontech vermutlich erst nächste Woche beantragt bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. Die Firma geht davon aus, dass sie im vierten Quartal die Zulassung für die dritte Impfung bekommt und dann loslegen kann. Schließlich und endlich haben wir aber noch sehr, sehr wenige Daten um genau zu definieren, welche Personen wir jetzt zuallererst drittimpfen könnten."

BW-Ministerium: Arzt muss Impf-Therapie aktiv entscheiden

Bund und Länder sehen die dritte Impfung aber grundsätzlich bereits im Rahmen der bestehenden Zulassung gedeckt. Allerdings nur, wenn der Arzt die Entscheidung zu dieser Therapie aktiv trifft. Da die Infektionszahlen steigen und die Angst vor der Delta-Variante grassiert, hat sich das Gesundheitsministerium zu schnellem Handeln entschlossen, bestätigt der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne).

"Nein! Wir warten nicht ab! Wir hatten gültige Beschlüsse und wir impfen."

Pflegeheim: Auffrischung oder Booster gibt sicheres Gefühl

Im Sankt Carolushaus in Freiburg etwa sind alle Bewohner zweifach geimpft. Die Pflegeheim-Leitung dort begrüßt die Möglichkeit der Auffrischungsimpfung, sie gebe ihr ein sichereres Gefühl. Es könne sofort losgehen, sagt Christa Varadi, die Direktorin des St. Carolushaus Freiburg: "Jetzt werden wir im September die Logistik vorbereiten und im Oktober mit der dritten Impfung beginnen."

Bundespolitik: Kommt die Corona-Drittimpfung für Alle?

Patienten und Ärzte tragen also vorerst selbst die Verantwortung für die dritte Impfung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat noch keine Empfehlung ausgesprochen. In der Öffentlichkeit nimmt die Diskussion aber schon Fahrt auf, wie sinnvoll und notwendig eine dritte Impfung auch für andere Personengruppen ist. Nach dem Vorstoß der Länder für gefährdete Gruppen hatte auch der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag die dritte Impfung für alle ins Gespräch gebracht.

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