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Öffentliche Orte sind in Freiburg tabu: Seit Samstag müssen sich Bürgerinnen und Bürger zwei Wochen lang davon fernhalten. Das hat Oberbürgermeister Martin Horn am Donnerstagabend entschieden.

Die Stadt Freiburg hat ein zweiwöchiges Betretungsverbot für alle öffentlichen Orte erlassen. Das bedeutet: Bürger dürfen vorerst bis zum 3. April das Haus oder die Wohnung nur noch für dringende Angelegenheiten verlassen – etwa, um zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen, um Lebensmittel einzukaufen oder pflegebedürftige Menschen zu betreuen. "Und wer sich im Freien aufhalten möchte, darf das nur allein, zu zweit oder mit den Personen, die im eigenen Haushalt leben. Von allen anderen Personen ist ein Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten", heißt es in der Mitteilung der Stadt. Erlaubt seien weiterhin sportliche Aktivitäten, jedoch nur "für sich selbst oder in der Familie", präzisierte Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) am Donnerstagabend in den ARD-Tagesthemen.

Gefährdete Region

Ein Betretungsverbot für öffentliche Plätze kommt einer eingeschränkten Ausgangssperre gleich. Der Grund: Die weitere Ausbreitung des Coronavirus soll abgeschwächt werden. Die Stadt Freiburg teilte am Donnerstagabend mit, dass Horn diese Entscheidung aus Fürsorgepflicht getroffen habe. Anlass sei die dramatische Lage der angrenzenden Region Grand Est, zu der auch das Elsass gehöre. Auch die benachbarte Schweiz sei stark betroffen. Laut Stadt Freiburg stehen Oberbürgermeister Horn und die Landräte in ständigem Austausch mit ihren Kollegen aus dem Elsass und aus weiteren Landkreisen der Region. Die Stadt habe ihr Vorgehen im Vorfeld mit den beiden Ministern Thomas Strobl (CDU) und Manfred Lucha (Grüne) besprochen.

So sieht es am ersten Tag in der Freiburger Innenstadt aus

"Schwerwiegende Entscheidung"

Horn sagte dazu: "Der Blick zu unseren Nachbarn in Frankreich zeigt, wie rasant sich die Situation verschlimmern kann. Dort sterben immer mehr Menschen. Uns ist bewusst, dass diese schwerwiegende Entscheidung deutliche Einschränkungen auf das Leben der Freiburgerinnen und Freiburger haben wird. Aber nach dem heutigen Stand muss der Schutz der Bevölkerung vor allen anderen Erwägungen Vorrang haben. Ich appelliere an die Vernunft aller Freiburgerinnen und Freiburger, sich an das zweiwöchige Betretungsverbot für öffentliche Orte zu halten.“ In den vergangenen Tagen hatten sich viele Freiburger angesichts frühlingshafter Temperaturen draußen aufgehalten, häufig allerdings, ohne den empfohlenen Mindestabstand zu anderen Menschen einzuhalten.

Oberbürgermeister Martin Horn in den Tagesthemen

Zahl der infizierten Personen im Raum Freiburg steigt stark

Nach derzeitiger Lage steigen die Infektionszahlen massiv an, wie die Stadt mitteilte. Dabei seien nicht nur die Situation in Freiburg und Südbaden, sondern auch die dramatischen Entwicklungen in der benachbarten französischen Region Grand-Est zu berücksichtigen. Weiterhin ist mit Stand für den Regierungsbezirk Freiburg festgestellt worden, dass die Region Freiburg mit großem Abstand die höchste Anzahl an infizierten Personen im Regierungsbezirk aufweist. Zudem hat das Robert-Koch-Institut die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland als hoch eingestuft.

Rechtliche Konsequenzen bei Verstößen

Wer sich nicht an die Verfügung halte, begehe eine Ordnungswidrigkeit, sagte ARD-Rechtsexperte Kolja Schwartz. Dann drohe auch ein Bußgeld. Laut Infektionsschutzgesetz kann das bis zu 25.000 Euro betragen. In Freiburg werden Vollzugsdienst und Landespolizei ab Samstag kontrollieren, ob sich Bürgerinnen und Bürger an die Verordnung halten. Oberbürgermeister Martin Horn hofft, dass die drakonischen Strafen nicht angewendet werden müssen. Von der Stadtverwaltung heißt es allerdings klar: Wer sich vehement weigert, etwa einen Platzverweis einzunehmen, wird mit den 25.000 Euro Strafe rechnen müssen.

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