Frankreich bekennt sich zur Atomkraft

AKW Fessenheim: Macrons Spagat nach der Stilllegung

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AUTOR/IN
Paula Meister
ONLINEFASSUNG
Ulrike Liszkowski

Frankreichs ältestes Atomkraftwerk Fessenheim ist seit mehr als einem Jahr stillgelegt. Aber Frankreich setzt weiter auf Atomkraft. Im Dreiländereck werden neue Befürchtungen wach.

Atomkraft ist wieder angesagt in Frankreich - und sogar zum positiv besetzten Zukunftsthema im Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2022 geworden. Der französische Präsident Emmanuel Macron will eine Milliarde Euro in den Bau neuer Mini-Reaktoren und in neue Technologien für den Umgang mit Atommüll investieren. In einer zweistündigen Rede im Elysée-Palast hatte Macron am 11.10.2021 seinen Zukunftsplan bis 2030 vorgestellt. 

Am Oberrhein fürchten viele deshalb, dass in Fessenheim nun die vom AKW-Betreiber EDF favorisierte Aufbereitungsanlage für Bauteile alter Atomkraftwerke kommen wird. Deutschland wollte dort gemeinsam mit den Franzosen Zukunftstechnologien im Bereich der Erneuerbaren Energien ansiedeln und sieht dieses Projekt durch eine Recyclinganlage für radioaktiv belastete Reststoffe in Gefahr.

Viele Franzosen stehen hinter Macrons Bekenntnis zur Atomkraft

Auf französischer Seite begrüßen viele Menschen Macrons Pläne, etwa der elsässische Abgeordnete Raphaël Schellenberger von der Parteil "Les Républicains", er sitzt in der französischen Nationalversammlung und ist Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.

"Man kann nicht aus der Kohle und der Nuklearenergie gleichzeitig aussteigen und nur auf Wind und Sonne setzen, denn das führt zu Problemen in der Industrie."

Umweltverbände kritisieren neue Investitionen in Nuklearenergie

Im Gegensatz zu den alten Kernkraftwerken können die kleinen, sogenannten SMR-Reaktoren wie ein Bausatz in einer Fabrik hergestellt werden. Allerdings ist keines der Konzepte marktreif. Macrons Bestrebungen seien Zeitverschwendung, kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Freiburg.

"Frankreich spielt eigentlich Russisch Roulette mit seiner Energiezukunft. Denn wenn diese Reaktoren nicht funktionieren sollten, hat Frankreich sehr viel Zeit verloren, um den Umstieg auf die "Erneuerbaren" noch zuschaffen."

Streit in der EU: Ist Atomkraft ein grünes Investment?

Zwar will Macron nebenher auch die erneuerbaren Energien ausbauen, aber sein Bekenntnis zur Atomkraft hilft ihm, sich gleichzeitig industriefreundlich und klimabewusst zu geben. In Brüssel versucht Frankreich, Atomkraft als "grüne Investition" anerkennen zu lassen. Wenn sein Plan aufgeht, gibt es am Ende vielleicht auch noch EU-Gelder für die französische Atomindustrie.

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