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Hin und Her um Astrazeneca: Die Ständige Impfkommission hat empfohlen, den Stoff nur noch Menschen ab 60 Jahren zu verabreichen. Baden-Württemberg hält sich daran - und wie sieht das in den Zentren in Südbaden aus?

Astrazeneca hat das Zeug zum Schlagzeilen-Dauerbrenner. Nach der neuen Empfehlung der Ständigen Impfkommission der Bundesregierung hat sich SWR Reporter Matthias Schlott in den Impfzentren in Freiburg und Offenburg umgehört. Hier haben wir die Ergebnisse zusammengefasst.

Was bedeutet die neue Entscheidung, die Impfungen mit Astrazeneca einschränken zu müssen, für die Zentren in Freiburg und Offenburg?

Sie halten sich an die vorläufige Empfehlung der Ständigen Impfkommission der Bundesregierung. Die besagt, den Corona-Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland ab sofort nur noch bei Menschen über 60 Jahren einzusetzen. Grund sind die vermehrte Zahl von Hirnvenenthrombosen, also Blutgerinseln, die nach Impfungen aufgetreten sind - und das eben vorwiegend bei Frauen, die jünger sind als 55 Jahre. Für alle Menschen über 60 Jahre, da sind sich alle Fachleute einig, die sich dazu äußern, sei die Wirkung des Impfstoffes gut und ohne Nebenwirkungen. Außerdem könne man zur Bekämpfung der Pandemie nicht auf den Wirkstoff verzichten. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) erklärte dazu, dass sich aber auch Menschen unter 60 Jahren weiterhin mit Astrazeneca impfen lassen können. Allerdings nach "sorgfältiger Aufklärung, individueller Risikoanalyse und nach ärztlichem Ermessen", heißt es aus Stuttgart.

Schaffen die Impfzentren diese Umstellung so einfach?

In den Impfzentren von Offenburg und Lahr wurde direkt entschieden, dass alle Personen unter 60 Jahren, die bereits einen Astrazeneca-Termin in Lahr oder Offenburg haben, nun den Impfstoff von Biontech erhalten. Offensichtlich werden die Vorräte als ausreichend beurteilt. Aber alle Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet und einen Astrazeneca-Termin gebucht haben, erhalten, wie empfohlen, weiterhin Astrazeneca. Das heißt, dass auch diese Termine wie gebucht stattfinden.

Kann man denn grundsätzlich auf den Biontech-Impfstoff umbuchen?

Da heißt es ganz klar von den Leiterinnen der Impfzentren Ofenburg und Lahr, dass bei nun neu gebuchten Astrazeneca-Terminen leider keine Umbuchung auf Biontech erfolgen kann. Denn das sei eine bewusste Entscheidung für den Astrazeneca-Impfstoff und nach eingehender ärztlicher Beratung weiterhin möglich, so die Medizinerinnen.

Läuft es in Freiburg denn ähnlich glatt?

Nach Aussagen von Daniel Strowitzki von der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM), in deren Messehallen das Impfzentrum untergebracht ist, muss nur der 1. April überbrückt werden, an dem eigentlich mit Astrazeneca geimpft werden sollte. Die für Zweitimpfungen zurückgelegten Mengen an Biontech-Impfstoff reichen laut Strowitzki aus, um diesen Tag zu überbrücken.

Das ist jetzt die kurzfristige Entwarnung in Freiburg. Aber wie sieht es mittelfristig aus?

Es soll dabei bleiben, dass im Freiburger Impfzentrum ab dem 1. April exklusiv mit Biontech geimpft werden soll. Das scheint machbar, weil mit den Zweitimpfungen laut FWTM-Chef Daniel Strowitzki erst um den 20. Mai begonnen werde. Das heißt, dass alle dafür zurückgehaltenen Dosen verimpft werden können - in der Hoffnung, im Mai genügend Nachschub zu erhalten. Astrazeneca verschwindet also aus dem Freiburger Impfzentrum, aber doch nicht ganz, so Daniel Strowitzki: "Wir wechseln komplett auf Biontech - auch mit dem Wissen, dass Baden-Württemberg plant, Astrazeneca ab Mitte April in die Hausarztpraxen zu bringen."

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