Ein Förster in Bad Sobernheim hält zwei Rindenstücke, in die sich der Borkenkäfer eingenistet hat.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Andreas Arnold)

Forschungsprojekt über Schädlingsverhalten

Borkenkäfer geht Forstwissenschaftlern ins Netz

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Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg will mit Freiluftversuchen herausfinden, ob Borkenkäfer früher ihr Winterquartier verlassen als bisher angenommen.

Wie vermehren sich genau Borkenkäfer und wann verlassen sie ihr Winterquartier? Dieser Fragen gehen Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt mit Sitz in Freiburg nach. Im Landkreis Emmendingen, bei Tennenbach, wurden dazu 20 Fichten mit engmaschigen Netzen eingepackt. Zehn Bäume wurden gefällt, zehn Bäume wurden stehen gelassen. Die Wissenschaftler wollen so herausfinden, wie der Buchdrucker, wie der Schädling auch genannt wird, frühzeitig bekämpft werden kann.

Borkenkäfer gehen ins Netz

Alle 14 Tage kontrollieren Dominik Wonsack und seine Kollegen von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt die Netze, die sie bereits vor Monaten um die Baumstämme gewickelt haben. Bei jeder Kontrolle werden die Netze ausgeklopft und die Stämme abgefegt. Nur so lasse sich erkennen, wie viele Käfer ins Netz gegangen sind, erklärt Dominik Wonsack. Die dunkelbraunen, schwarzgefärbten Schädlinge könne man mit dem geschulten Auge ganz gut erkennen, sagt der Forstwissenschaftler. Die Netze der am Boden liegenden Fichtenstämme werden ins Labor mitgenommen und getrocknet. Danach wird die Käferausbeute ausgezählt. Es ist eine mühsame und zeitraubende Arbeit, die Borkenkäfer aufzuspüren und zu zählen.

Netze verhindern Wegfliegen der Borkenkäfer (Foto: SWR)
Fichten im Wald bei Emmendingen (Kreis Emmendingen) mit Netzen eingepackt

Winterquartier in der Baumrinde

Normalerweise bleibt der Schädling während der kalten Monate in der Rinde der Bäume und überwintert dort. Einzelne, so die Beobachtungen, kommen früher als bisher bekannt aus ihrem "Winterquartier" und verlassen die Baumrinde. Da die Fichten allerdings mit engmaschingen Netzen eingepackt sind, können die Schädliche so gefangen und dann gezählt werden.

Ein Forschungsprojekt unter Realbedingungen

Fortwissenschaftler Wonsack und seine Kollegen leisten Grundlagenforschung. Im Sommer vergangenen Jahres haben sie mit Duftstoffen, die an den Baumstämmen befestigt waren, die Borkenkäfer angelockt, damit sie sich in die speziell ausgesuchten Fichten einnisten. Die eingenetzten Bäume dienen jetzt quasi als Forschungsobjekt im Freien.

"Wir müssen ja versuchen die Natur abzubilden, wie es real wäre, mit dem Käfer. Jetzt mit den Netzen können wir alles beobachten".

Forschungsergebnisse für Forstwirtschaft wichtig

Sollte sich herausstellen, dass der Borkenkäfer sein Winterquartier früher als bisher bekannt verlässt, könnte man entsprechend reagieren. Dann würden Förster informiert werden, dass es nötig sei, vom Borkenkäfer befallene Bäume zu schlagen und aus dem betroffenen Wald rauszunehmen, um einen weiteren Befall zu verhindern. Bei diesem Forschungsprojekt handelt es sich quasi um ein Frühwarnsystem für die Forstwirtschaft. Hier spiele der Faktor Zeit eine Rolle, so Forstwissenschaftler Wonsack. Je mehr man über das Verhalten des Borkenkäfers wisse, desto besser könne man auch beratend eingreifen. So könne auch das Waldmanagement insgesamt verbessert werden. Im Frühjahr sollen die Ergebnisse dieses Projekts der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg vorliegen.

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SWR