Filmpremiere "tun wir. tun wir. was dazu!" in Freiburg (Foto: ganter film & medien)

"tun wir. tun wir. was dazu!"

Ein Film zum Stadtjubiläum: Freiburg zwischen Krieg und Frieden

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Am Dienstagabend lief in Freiburg zum ersten Mal der Film "tun wir. tun wir. was dazu!". Er zeigt 900 Jahre Freiburg zwischen Krieg und Frieden und die Menschen, die dort lebten.

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Die besondere Film-Premiere fand im Freiburger Kino Harmonie statt. Der Film "tun wir. tun wir. was dazu!" ist im Rahmen des 900-jährigen Stadtjubiläums entstanden und hat nicht nur einen oder zwei Autoren, sondern zwölf Menschen aus der Freiburger Friedensbewegung haben daran zwei Jahre lang gearbeitet. SWR4-Moderator Robert Wolf hat mit dem Filmemacher Stefan Ganter und Markus Weber von pax christi aus Freiburg über den Film gesprochen.

Herr Ganter "tun wir. tun wir. was dazu!" klingt etwas sperrig. Was bedeutet der Titel denn?

Stefan Ganter: Es gibt ja das Bürgerlied von 1848 und da ist der Refrain dieses Liedes: "Tun wir, tun wir was dazu?" Also es geht wirklich um Engagement der Bürger für ihre Freiheitsrechte.

Wir sehen im Film zwei junge Menschen, die die Freiburger Stadtgeschichte durch Bürgerinnen und Bürger kennenlernen, die sich damals für den Frieden eingesetzt haben. Das ist sicherlich eine sehr spannende Reise - auch für das Team. Was haben Sie alles dabei entdeckt, Herr Weber?

Markus Weber: Wir haben Orte und Menschen entdeckt, die auch vielen von uns gar nicht so bekannt waren. Ich denke an die Gründerin der Deutschen Friedensgesellschaft, die hier 1905 bereits einen Vortrag gehalten hat - in der Harmonie, wo auch unsere Premiere stattfindet. Ich denke aber auch an jemanden wie Max Josef Metzger, der mit seinem französischen Pendant Marc Sagnier 1923 einen großen Friedenskongress im Paulussaal mit 7.000 Menschen veranstaltet hat. Also wir haben ganz unterschiedliche Orte entdeckt, die man manchmal gar nicht so beachtet. Auch ein Beispiel: Im Stühlinger gibt es einen Spielplatz, wo zwei Gedenktafeln sind. Die eine für Kinder, die von deutschen Fliegern irrtümlicherweise quasi ermordet wurden. Die andere ist eine Gedenktafel zum Beschluss der Stadt Freiburg, atomwaffenfreie Stadt zu werden.

Ist das vielleicht auch so ein Schicksal, das einen besonders bewegt, wenn man auf so etwas stößt?

Markus Weber: Ja, auf alle Fälle. Dass Menschen im Krieg umgekommen sind, ist ja bekannt. Aber wenn man dann solche Tafeln liest und die Lebensgeschichten entdeckt, die sich dahinter verbergen, dann rührt einen das schon.

Frage an den Filmemacher: Jetzt haben sich ja zwölf Menschen für diesen Film zusammengefunden. Ich kann mir vorstellen, dass das auch durchaus schwierig sein kann, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Stefan Ganter: Ja, vielleicht ist es das Besondere an diesem Projekt, dass eben zwölf Autorinnen und Autoren an diesem Film gearbeitet haben und natürlich aus verschiedenen Richtungen kommen und auch auf die Themen aus verschiedenen Richtungen blicken. Da müssen natürlich Kompromisse gefunden werden. Mein Job war es letztlich auch, den Leuten, die ja eher von der Textebene kommen, zu zeigen, wie man es visuell umsetzen kann. Es war für viele Leute natürlich auch ein Problem, zu sagen: Gut, wir haben sehr ausführlich über Schicksale und über verschiedene Leute recherchiert und müssen das jetzt weglassen, weil der Film einfach sonst zu lang werden würde.

Wie kam denn überhaupt die Idee, diesen Film zu produzieren?

Markus Weber: Die Idee war einfach, dass Menschen, die sich aktuell für Frieden einsetzen, sichtbar werden. Und das, indem sie sich auf die Suche begeben nach Menschen, die sich in der 900-jährigen Geschichte der Stadt Freiburg für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt haben.

Was bleibt bei Ihnen nach dieser Reise durch die Stadtgeschichte am ehesten im Gedächtnis hängen?

Markus Weber: Irgendwie scheint die Geschichte der Stadt immer an diesen kriegerischen Ereignissen zu hängen. Für mich war das Besondere an diesem Projekt, dass wir mal drauf geschaut haben: Wo sind diese Menschen, die da ein Stück weit versucht haben, gegen den Strom der Geschichte zu schwimmen und sich eben für Frieden, für Gewaltlosigkeit, für Menschenrechte eingesetzt haben. Auch wenn man diesen Ausdruck vielleicht früher so nicht gebraucht hat. Und auf der anderen Seite bleibt für mich auch hängen, dass das doch ein einmaliges Projekt war von zwölf Menschen, die sich vorher nicht oder kaum kannten, die vorher wenig bis gar keine Ahnung vom Film hatten und die auch ihre Zusammenarbeit neu lernen mussten.

Stefan Ganter: Für mich war eigentlich das Spannendste: Sehr viele Kollegen haben mich immer wieder gewarnt und gesagt: Wie kann man einen Film mit zwölf Autoren machen? Das ist eigentlich fast nicht möglich, und ich denke, wir haben es gezeigt. Es funktioniert. Von daher war das für mich eigentlich das größte Erlebnis.

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