Feministisches Dorfgeflüster-Kollektiv: Drei Schwestern aus Dunningen aktiv gegen Dorfstreotypen  (Foto: SWR, Hardy Faißt)

Gegen Sexismus in der Dorfkneipe

Dunninger Geschwister gründen feministisches Dorfgeflüster-Kollektiv

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Abgedroschener Dorfjugend-Stereotype setzen drei Schwestern aus Dunningen jetzt Aktivismus entgegen. Für sie endet Feminismus nicht an Stadtgrenzen.

Rückständigkeit, Rustikalität und kilometerweise Rübenäcker? So in etwa stellen sich viele das Leben auf dem Land vor. Auch die drei Schwestern Emely, Lena und Lisa aus Dunningen, einem idyllischen, ländlichen Flecken bei Rottweil, werden immer wieder mit solchen Klischees konfrontiert - und seit sie das Feministische Dorfgeflüster-Kollektiv gegründet haben noch häufiger. Bei Gruppentreffen oder über WhatsApp kommen Interessierte und Engagierte vom Dorf zusammen, um sich auszutauschen, um dazuzulernen, um etwas zu verändern.

Feminismus auf dem Land?

140 Personen zählt das Dorfgeflüster-Kollektiv inzwischen und es werden immer mehr - auch Männer! Die Idee dafür hatten die drei Schwestern während des ersten Lockdowns als sie sich, zurück in ihrem Elternhaus, die Langeweile mit feministischer Lektüre vertrieben haben. Hitzige Diskussionen am Esstisch, Unverständnis von Seiten der älteren Generationen und das Bedürfnis sich auszutauschen, haben sie dazu gebracht die Gruppe zu gründen.

"Wir haben gemerkt, dass es auch anderen Leuten so geht und dass im ländlichen Raum eben einfach die Möglichkeiten fehlen sich mit anderen auszutauschen."

Angefangen haben sie mit einer WhatsApp-Gruppe, die nach und nach immer größer wurde. Raum für Austausch bieten aber auch die Montags-Treffen, die wegen der Corona-Pandemie bisher ausschließlich digital stattgefunden haben. Sobald es möglich ist, freuen sich die Mitglieder*innen des Kollektivs auf größere persönliche Treffen.

"Wir sprechen immer einen Monat lang über ein Thema. Dazu gibt es dann in den Treffen erstmal einen kleinen Input, aber auch ganz viel Raum für Diskussionen und um eigene Erfahrungen zu teilen."

Dunninger Schwestern aktiv gegen stereotype Rollenbilder

Sexismus in der Dorfkneipe, konservativ-stereotype Rollenbilder und etwa Gemeindebriefe, die nur an den Mann im Haus adressiert sind: Auch im ländlichen Raum ist das zwar oft noch Realität, trotzdem seien sie deswegen nicht automatisch rückständiger, sind sich die Geschwister einig. Nur bei den Angeboten für ein entsprechendes Engagement sagen sich auf dem Land eben oft noch Fuchs und Hase gute Nacht.

"Die Leute haben uns davon erzählt, wie sie in der Dorfkneipe einfach angefasst wurden oder einen sexistischen Kommentar abbekommen haben und nicht wussten, wie sie in der Situation darauf reagieren sollten."

Reaktionen auf Dorfgeflüster nicht immer positiv aber ehrlich

Wer flüstert, der lügt? Statt nur hinter vorgehaltener Hand über das feministische Kollektiv zu reden, reagieren in Dunningen zwar nicht alle ausschließlich positiv auf das Engagement der drei Schwestern, aber zumindest mit einem wertfreien und ehrlichen Interesse. In ihrer Heimat schlagen sie mit ihrer Idee so hohe Wellen, dass ihr Projekt inzwischen sogar finanziell gefördert wird. Denn sie haben große Träume und wollen andere Menschen in anderen Regionen animieren und motivieren es ihnen gleich zu tun und eigene Gruppen zu gründen. Erstmal geht es jetzt aber darum ihren eigenen Verein zu gründen.

Warum nicht "Dorfgeschrei" bei solch wichtigen Botschaften?

"Anfangs haben wir uns über den Namen gar nicht so viele Gedanken gemacht. Außerdem steckt hinter Dorfgeflüster auch eine Art Schutzraum."

In einer solchen Art von Schutzraum könne man eben auch über unangenehme oder sogar traumatische Erfahrungen sprechen, die sich nicht so leicht hinaus schreien lassen. Die drei Schwestern können sich aber vorstellen, irgendwann die Rubrik "Dorfgeschrei" aufzunehmen, wenn es zum Beispiel um Veranstaltungen geht: Denn bei denen wollen sie auch in Zukunft weiter laut werden, um dadurch auf die ein oder andere eingestaubte - und eigentlich längst überholte - Sichtweise in unserer Gesellschaft hinzuweisen.

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