Die Uniklinik Freiburg hat die zweite Tagesklinik für Kinder und Jugendliche eröffnet (Foto: Universitätsklinikum Freiburg)

Zusätzliches Angebot

Zweite Tagesklinik für Kinder und Jugendliche am Uniklinikum eröffnet

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Zwölf zusätzliche Plätze für Jugendliche: Die zweite Tagesklinik in Freiburg bietet ein ambulantes psychotherapeutisches Angebot speziell für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.

Die zusätzliche Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Breisacher Strasse in Freiburg ist am Dienstag offiziell eröffnet worden. Sie bietet eine dringend notwendige Erweiterung des therapeutischen Angebots des Universitätsklinikums. Die Erstausstattung der Räumlichkeiten wurde vor allem durch das SWR-Herzenssache-Projekt getragen und soll so Musik- und Ergotherapie mit hohem Standard ermöglichen.

Der Radiobeitrag vom 1.6.2022:

Therapiebedarf durch Pandemie gestiegen 

Seit Mitte Mai stehen die Räume zu verschiedenen therapeutischen Zwecken zur Verfügung. Die Erweiterung der Tagesklinik war allerdings schon längst überfällig. Denn während der Corona-Pandemie ist der Bedarf an therapeutischer Behandlung laut Uniklinik Freiburg enorm gestiegen. Demnach gab es allein in 2021 knapp 30 Prozent mehr psychische Notfälle unter Kindern und Jugendlichen. "Die Zahl der Patienten, die eine schwere Essstörung oder eine Depression entwickeln, und die eine schwere Angststörung haben, hat deutlich zugenommen", sagt Prof. Dr. Christian Fleischhaker, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er berichtet von einem besorgniserregenden Trend.

"Die Zahlen an psychisch Kranken explodieren deutschlandweit. "

Die Pandemie hat wichtige Entwicklungsräume für Kinder und Jugendliche eingeschränkt. Dies steigere das Risiko einer psychischen Erkrankung bei entsprechender Veranlagung massiv, so Fleischhaker. Zusätzlich hätten Gewalterfahrungen in Familien mit dem Lockdown zugenommen, die für Depressionen und Angstzustände sorgen könnten.

Auch Martin Klett, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Freiburg und Vizepräsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg bestätigt den gestiegenen Bedarf: "In meiner Praxis hat sich das Nachfrageaufkommen im Vergleich zu vor zwei Jahren verdreifacht und ist aktuell weiter sehr hoch. Ich kann noch keinen Rückgang feststellen." Seinen Kolleginnen und Kollegen gehe es ähnlich, berichtet er.

"Auch meine Warteliste ist in etwa doppelt bis dreimal so lang wie zuvor."

Aber auch ohne die Pandemie scheint die Belastung für Kinder und Jugendliche nicht weniger geworden zu sein. Patientinnen und Patienten mit Autismus müssen zurück in die Schulen, außerdem seien die Jugendlichen geprägt durch Krieg in der Ukraine und Klimakrise, die vielen psychisch stark zusetzt, schildert Christian Fleischhaker. Auch Martin Klett geht nicht von einem sinkenden Bedarf an therapeutischem Angebot aus. Von einer Entspannung aufgrund der nachlassenden Belastung durch die Pandemie merke er aktuell noch nichts.

"Ich habe weiterhin sehr viele Anfragen, die ich nicht bedienen kann."

An der dynamischen Realität vorbei geplant

Ein Problem ist laut Klett die Bedarfsplanung. Die sei vor 20 Jahren gemacht worden und habe mit dem tatsächlichen Bedarf nichts zu tun. Man müsse das natürlich regional differenziert betrachten, sagt er: "In Freiburg ist die Versorgungslage besser als irgendwo im Schwarzwald."

In Freiburg ist ein Ersatzneubau geplant, der die bestehenden Angebote zusammenführt und langfristig vergrößert. Trotz der gewissen Erleichterung in Freiburg gibt es noch akute Mängel. Es gibt beispielsweise noch immer kein stationäres Angebot für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Auch die Finanzierung der neuen Tagesklinik ist aktuell nur für zwei Jahre gesichert. Am Universitätsklinikum ist man allerdings derzeit hoffnungsvoll, dass der Bedarf inzwischen erkannt wurde und eine langfristige Finanzierung für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sichergestellt werden kann.

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