STAND

Erntehelfer aus dem Ausland dürfen nun doch nach Deutschland kommen - unter strengen Auflagen. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband will Flüge für sie organisieren.

Die Spargelernte hat begonnen. Auch für Erdbeeren, Rhabarber, Salat oder Gurken brauchen viele südbadische Landwirte Saisonkräfte aus dem Ausland. Doch die durften wegen der Corona-Pandemie nicht mehr einreisen. Dass dieses strikte Verbot nun gelockert wird, ist erstmal eine gute Nachricht, sagt Padraig Elsner vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) in Freiburg.

Der BLHV will so schnell wie möglich Flüge nach Südbaden organisieren. Angesichts der begrenzten Zahl von Erntehelfern und der strengen Auflagen, unter denen sie einreisen dürfen, sind noch viele Fragen offen. Das Verfahren, wer, wann, wie, wohin einreisen darf, wird noch abgestimmt.

Internetportal des BLHV zur Anmeldung der Erntehelfer

Die Betriebe sollen ihre Erntehelfer über ein Internetportal melden. Dieses soll in den kommenden Tagen freigeschaltet werden.

Dauer

Erntehelfer dürfen kommen - aber nur per Flugzeug


Das Bundeslandwirtschafts- und das Innenministerium hatten sich am Donnerstag auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach dürfen trotz Corona-Pandemie je 40.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa im April und Mai nach Deutschland einreisen, teilte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit. Den Auflagen für Saisonarbeiter nach dürfen die Arbeiter ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug einreisen. Die Arbeitgeber sollen sie vom Flughafen abholen, und sie sollen eine Gesundheitsprüfung veranlassen. In den ersten 14 Tagen müssen die Helfer getrennt von den anderen Beschäftigten leben und arbeiten. Zudem dürfen sie ihren Betrieb nicht verlassen. Arbeiten sollen sie in kleinen Gruppen und mit Mundschutz und Handschuhen arbeiten. Auch für die Unterbringung gelten besondere Hygienebestimmungen.

Erdbeerbauer schläft jetzt wieder ruhiger

Trotz der Einschränkungen ist beispielsweise der Oberkircher Erdbeerbauer Wendelin Obrecht erst einmal zufrieden, dass überhaupt wieder Helfer ins Land kommen dürfen. Er fragt sich aber, wie viele dazu überhaupt bereit sein werden.


"Dieses Coronavirus macht auch diesen Leuten ein bisschen Angst. Da geht man nicht ohne Weiteres in ein anderes Land. Wir wissen nicht, wie viele wir wirklich jetzt bekommen, aber es sieht deutlich besser aus. Ich werde deutlich ruhiger schlafen als die Nächte davor."

Wendelin Obrecht, Landwirt in Oberkirch

Baden-Württemberg möchte Modell werden

Auch Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk spricht von einer sehr guten Botschaft für die Bauern, aber auch für die Verbraucher.


"Wir bieten uns gerne als Modellland an, wenn jetzt Partner gebraucht werden, die zeigen, dass die Arbeit von Erntehelfern unter Einhaltung der gebotenen Corona-Sicherheitsmaßnahmen möglich ist. Wir vertrauen unseren Bauern, dass sie den Einsatz der Erntehelfer mit größter Sorgfalt umsetzen."

Peter Hauk, Landwirtschaftsminister Baden-Württemberg


Hauk rief die Bürgerinnen und Bürger auf, sich dennoch weiter als Erntehelfer zu melden. Denn noch ist offen, ob Saisonarbeiter aus dem Ausland den Bedarf decken können. Deshalb sei auch die Entscheidung, Flüchtlinge und Asylbewerber einsetzen zu können, weiterhin richtig und wichtig, so der Minister.

STAND
AUTOR/IN