AKW Fessenheim vom Netz (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Philipp von Ditfurth/dpa)

Nach AKW-Stilllegung im Elsass

Zukunft des Gewerbeparks bei Fessenheim ungewiss

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Wera Engelhardt/Paula Kersten

Eine deutsch-französische Gesellschaft sollte einen Plan für einen Gewerbepark nahe des stillgelegten Kernkraftwerks Fessenheim entwickeln. Jetzt löst sich die Gesellschaft auf.

Die Entscheidung sei nachvollziehbar, teilte das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald mit, das die deutschen Partner koordiniert hat. Die Fläche für den geplanten Wirtschafts- und Innovationspark ist demnach aus Umweltschutzgründen auf 55 Hektar geschrumpft. Zu wenig, um die Kosten zu erwirtschaften, die auf die Gesellschaft Novarhéna zugekommen wären.

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Andere grenzübergreifende Projekte sollen fortgeführt werden

Der Vorschlag, die Entwicklungsgesellschaft aufzulösen, sei von französischer Seite ausgegangen, sagte die Landrätin des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, Dorothea Störr-Ritter (CDU), dem SWR. Eine Million Euro Startkapital ist bislang in die Gesellschaft geflossen, wobei die deutsche Seite mit lediglich 14,5 Prozent der Anteile beteiligt war, also 145.000 Euro. Alle Aktionäre, darunter auch die IHK Südlicher Oberrhein oder die Stadt Freiburg, bekommen die Hälfte ihrer Investition zurück, 500.000 Euro sind verloren.

Das Landratsamt beteiligt sich nach eigenen Angaben weiter an anderen deutsch-französischen Projekten, um in der Region nach Schließung des AKWs neue Arbeitsplätze zu schaffen. Auch das Regierungspräsidium Freiburg äußerte Verständnis für das Ende der Novarhéna. Auf die geplante neue Bahnlinie zwischen Freiburg und Colmar habe die Auflösung keine Auswirkungen.

Landrätin Störr-Ritter wenig überrascht

Landrätin Störr-Ritter sprach von einem Experiment, "das immer schwierig werden kann". Deswegen sei man nicht überrascht und nehme die Entscheidung zur Kenntnis. Offenbar habe auch die gewählte gemeinsame Rechtsform nicht so gut funktioniert - auch das sei eine Lehre aus dem Projekt.

"Es war in gewisser Weise ein Experiment."

Der Zukunftsprozess Fessenheim war im Jahr 2018 angestoßen worden, zwei Jahre vor der Stilllegung. Die deutsch-französische Entwicklungsgesellschaft Novarhéna wurde erst im vergangenen Jahr gegründet. Das Ziel: ein Gelände nahe des stillgelegten Kernkraftwerks Fessenheim wirtschaftlich zu erschließen. 

Studie hält an Vision einer Wirtschaftsregion fest

Es sollte ein Gewerbepark mit deutschen und französischen Unternehmen entstehen, insbesondere um Arbeitsplätze in der Region zu sichern. Etwa 2.000 Stellen fallen durch die Schließung des AKWs Fessenheim weg.  

Was geht es nun also weiter? Das Land Baden-Württemberg hat die sogenannte Machbarkeitsstudie Innovationsregion Fessenheim mit initiiert, die das Regierungspräsidium Freiburg begleitet. Untersucht wird in einem Team aus deutschen und französischen Wissenschaftlern, wie aus dem Gebiet um das Kernkraftwerk eine klimafreundliche Wirtschaftsregion werden kann. Diese Überlegungen seinen unabhängig von der Entwicklungsgesellschaft Novarhéna vorangebracht worden, hieß es vom Landratsamt.

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