Wahlplakate in Mülltonne

Erst Materialschlacht, jetzt Müllberge

Nach dem Wahlkampf in Freiburg: Tausende Wahlplakate für die Tonne

Stand
Autor/in
Jana Renkert

Egal ob Plastik oder Pappe - wirklich nachhaltig ist der Wahlkampf nie. Zurück bleiben Berge voller Müll. Das eine oder andere Wahlplakat wird in Freiburg aber kreativ umfunktioniert.

Bis unter die Decke stapeln sich die rund 1.000 Wahlplakate der Partei Volt in einer Garage in Freiburg-Zähringen. Größere Parteien wie die CDU oder die Grünen haben im Wahlkampf sogar mehr als das Doppelte an Wahlplakaten verwendet. Im Kampf um die Europa- und Kommunalwahl kam bei allen Parteien einiges an Plakatmüll zusammen. Der muss jetzt recycelt werden.

Plakate abhängen: Klettertalent gefragt

Die Wahlplakate würden nicht nur viel Müll, sondern auch eine Menge Arbeit machen, sagt Jasper Ganten von Volt Freiburg: "Das Abhängen dauert teilweise länger als das Aufhängen. Gerade hier in Freiburg, wo es mit zwanzig Listen meistens sehr weit hoch ging an den Laternen. Da gab es auch schon akrobatische Kletteraktionen, um die wieder runterzuholen." Aus diesem Grund habe sich Volt für Kunststoff-Plakate entschieden. Die seien leicht und ließen sich deshalb auch mit Lastenfahrrädern einsammeln. Laut Volt Freiburg benötigt zwar die Herstellung der Plastik-Plakate viel Energie, beim Recycling sei der Kunststoff im Vergleich zu verklebten Papp-Plakaten aber leichter zu händeln. 

Alte Wahlplakate stabeln sich
Nicht mehr hoch oben am Laternenmast: Die Wahlplakate der Partei Volt stapeln sich nach dem Wahlkampf nun in einer Garage in Freiburg-Zähringen.

Grünen-Politiker spricht sich für Begrenzung der Plakate aus

Vereinzelt werden auch immer noch Plakate aus Pappe genutzt. So zum Beispiel bei den Grünen. Die Wahlplakate aus Karton können, anders als die Plastik-Plakate, im üblichen Altpapier entsorgt werden. "Wahlkämpfe sind immer noch eine Materialschlacht", sagt Carsten Drecoll, Kreisverbandsvorsitzender der Grünen in Freiburg. Am Ende sei es eine ganz ähnliche Diskussion wie beim Recycling von Glas- und Plastikflaschen. Beides belaste die Umwelt. Seine Partei habe sich deshalb für den nachwachsenden Rohstoff entschieden.

Eine Begrenzung der Wahlplakate wäre natürlich schon gut.

Ganz ohne Wahlplakate gehe es eben doch nicht, erklärt Carsten Drecoll: "Man kann nicht nur online Wahlkampf machen, man muss es auch physisch machen. Die Plakate sind halt immer noch plakativ, aber eine Begrenzung wäre natürlich schon gut."

Carsten Drecoll Grüne Freiburg
Carsten Drecoll und seine Partei Bündnis 90/Die Grünen haben in Freiburg Plakate aus Pappe verwendet.

Aus alten Wahlplakaten entstehen Sitzhocker und Taschen

Laut Drecoll wäre es also durchaus sinnvoll, die Anzahl der erlaubten Wahlplakate zu limitieren. Denn die Gleichung ist einfach: weniger Plakate, gleich weniger Müll. Peter Krause von der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg und sein Team haben nach dem Wahlkampf viel Arbeit mit den Plakaten. "Ein Großteil der Plakate ist schon abgenommen. Natürlich bleiben aber einige nach wie vor hängen, weil sie übersehen wurden. Um die kümmern wir uns und damit beschäftigt uns das Thema natürlich noch einige Zeit."

Es gibt aber auch kreative Ideen, wie die Wahl-Überbleibsel wiederverwendet werden können. Bei Volt werden die Großplakate aus LKW-Planen zum Beispiel zu Taschen umfunktioniert. Und ein Freiburger Schreiner baut sogar Sitzhocker aus den Plakaten der Grünen Alternative.

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