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Gläubige protestieren

Kirchenrevolte in Hausach: Pfarrer zu fortschrittlich für Diözese Freiburg?

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In der Pfarrgemeinde Hausach/Hornberg im Schwarzwald gehen Gläubige auf die Barrikaden: Die Erzdiözese Freiburg will ihren Pfarrer nicht weiter beschäftigen.

In Hausach im Kinzigtal kochen dieser Tage die Emotionen hoch. Plakate werden gemalt, Unterschriften gesammelt und Mahnwachen abgehalten. Anlass ist die Entscheidung der Erzdiözese Freiburg, Pfarradministrator Christoph Nobs nicht weiter zu beschäftigen. Der Seelsorger, der seit drei Jahren zur Probe im Bistum arbeitet, soll in seine Heimatdiözese München/Freising zurückgeschickt werden. Das hat ihm das Ordinariat in Freiburg vor rund fünf Wochen eröffnet.

"Das war eigentlich eine kurze Sache. Ich hatte gefragt, ob schwerwiegende Gründe vorliegen. Es wurde gesagt: Nein, sondern man habe einen Gesamteindruck von mir gewonnen, der nicht in ihr Konzept passe", erzählt der Pfarrer mit ruhiger Stimme. In kurzen Hosen und kariertem Hemd sitzt er im Gemeindehaus neben Monika Tschersisch, der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats, die die Nachricht schwer getroffen hat.

"Ich glaube, Christoph Nobs ist sehr zeitgemäß. Aber die Leitung unseres Bistums kann da nicht mithalten."

"Mich hat es sehr gestört, dass wir als Räte nicht gehört wurden. Für uns ist es eine immens wichtige Entscheidung und als wir ins Ordinariat kamen, da war klar, die Sache ist beschlossen. Da gab's keine Änderung", so Tschersisch. Christoph Nobs sei sehr zeitgemäß. Die Leitung des Bistums könne da nicht mithalten, sagt sie.

Wer den Pfarrer kennenlernt, bekommt rasch eine Idee, was Tschersisch damit meint, denn Pfarrer Nobs macht kein Hehl aus seinen Vorstellungen und seinem Reformwillen.

Pfarrer übt im Internet offen Kritik an der Kirche

Im Internet hat er verschiedene Texte publiziert, in denen er offen Kritik an seiner Kirche übt - an einer Kirche, die ausgrenze, was nicht ins Schema passe. Sein Gott sei demgegenüber einer, der Optionen für Arme und Randständige biete.

"Ich verstehe mich als Nachfolger Jesu. Jesus hat eine befreiende Botschaft vom Reich Gottes. Leben für die Menschen. Da kann die Kirche hilfreich sein. Sie ist ein Werkzeug, aber sie ist nicht selbst die Botschaft."

Der Pfarrer fordert von der Kirche genau wie von den Gläubigen, Position zu beziehen - zum Beispiel mit Blick auf Schwule und Lesben in der katholischen Kirche, die sich willkommen fühlen sollten.

Pfarrgemeinderat offen für Debatte zu brisanten Themen 

Eine offene Debatte über das Thema Diversität, aber auch über Glaubensverständnis und Ökumene, die Stellung der Frauen in der Kirche, Missbrauch und Machtmissbrauch und das Zölibat wollte auch die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Monika Tschersisch zusammen mit dem Pfarrer anstoßen.

In einer Abstimmung habe sich der Pfarrgemeinderat mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, diese Themen zu bearbeiten, sagt sie. Dass die Gemeinde nun den Pfarrer verliert, der diese Entwicklung angetrieben habe, sei ein schwerer Schlag.

Nicht bei allen kommt der Pfarrer gut an

Manifestiert hat Pfarrer Nobs sein Berufs- und Kirchenverständnis auch im Innern der Hausacher Pfarrkirche. Unter anderem hat er Holzelemente entfernen lassen, die Chorraum und Kirchenschiff trennten.

Nicht bei allen kam das gut an. Nach Medienberichten soll sich schon vor längerer Zeit ein Mitglied des Seelsorge-Teams seinetwegen aus Hausach zurückgezogen haben. Selbst äußern wollte sich die Person dazu nicht.

Mehrheit der Gemeinde kommt mit Nobs Schwächen klar

Auch die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats räumt ein, dass im Gremium zwei Mitglieder ihren Posten geräumt hätten. Der Pfarrer sei mitunter energisch und unbedacht, so Monika Tschersisch.

"Wenn man bestimmte Ziele verfolgt und diese schnell verfolgen will, dann kann es schon mal sein, dass man ungeduldig wird und sich nicht genug Zeit nimmt, die anderen mitzunehmen."

Nobs selbst sagt, manchmal gehe mit ihm der Gaul durch. Er habe deshalb ein Coaching begonnen.

Die Schwächen des Pfarrers scheinen ihm viele Gemeindemitglieder nachzusehen. Bei Aktionen auf dem Wochenmarkt seien rund 1.000 Unterschriften für Pfarrer Nobs zusammengekommen, sagt Pfarrgemeinderätin Monika Tschersisch. Die Landjugend hat eine Tafel gestaltet, die vor dem Kirchenportal in den Bäumen hängt. "Danke Christoph Nobs" steht darauf.

"Gemeinde steht miteinander auf - es ist eine Revolte"

Ihr eigener Aktionismus und das Gefühl zusammen zu stehen, tröste die Gemeindemitglieder ein bisschen über den bevorstehenden Abschied hinweg, glaubt Monika Tschersisch. "Das ist sehr schön, weil die Gemeinde miteinander aufsteht. Es ist wirklich eine Revolte", so die Pfarrgemeinderatsvorsitzende.

Am 27. Juli wird sie mit ihren Mitstreitern zum Protest nach Freiburg fahren. Dann gehe es ihr nicht mehr nur um den Hausacher Pfarrer, sondern um viel mehr. Und Pfarrer Nobs sagt: "Ich bin sehr positiv gestimmt, weil ich merke hier ist eine neue Art von Kirche dabei zu wachsen."

"Ich kann jetzt schon Erntedank-Fest feiern, auch wenn ich jetzt zu gehen habe."

Es sei viel Selbstbewusstsein vorhanden, Verantwortung und Partizipation. Das seien die Ziele, auf die er hingearbeitet habe und deshalb könne er jetzt schon Erntedank-Fest feiern.

Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg nennt keine Gründe

Das Ordinariat der Erzdiözese Freiburg nennt für die Entscheidung gegen den Pfarrer indes keine genauen Gründe - wegen des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte. Die offizielle Sprachregelung lautet:

"Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg hat entschieden, dass Pfarradministrator Christoph Nobs, der Priester der Erzdiözese München und Freising ist, nicht als Priester in die Erzdiözese Freiburg übernommen werden kann. Unter Einbeziehung der Erfahrungen in den vergangenen drei Jahren und unter Berücksichtigung der personellen Planungen hat sich ergeben, dass Pfarradministrator Nobs in den Dienst seiner Heimatdiözese zurückkehren wird."

Die Auffassungen und Auslegungen eines Pfarrers würden keine Rolle für entsprechende Personal-Entscheidungen spielen, solange sie sich im Rahmen des Katholischen bewegten, so ein Sprecher.

Eine Einbindung von Ehrenamtlichen bei der Entscheidung über Einstellungen und Übernahmen von pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Dienst der Erzdiözese Freiburg sei nicht vorgesehen.

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