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Auf elsäsischen Straßen fuhren bis 11. Mai kaum Autos, Stadtparks waren gesperrt, ebenso Wälder und andere Naturgebiete. Dem einen fiel zuhause die Decke auf den Kopf, andere haben sich breit gemacht.

Bis zum 11. Mai waren unsere Nachbarn im Elsass mehr oder weniger eingesperrt. Sie durften ihre Häuser und Wohnungen nur in Ausnahmefällen verlassen. Für Tiere und Pflanzen war die zweimonatige Ausgangssperre indessen sehr erholsam und einige haben sich überraschend weit vor gewagt.

Kurz vor Beginn der Ausgangssperre im März war Bruno Ulrik vom Naturschutzverein "Alsace Nature" noch einmal losgezogen, um seine Wildtierkamera aufzustellen. Dass er sie erst zwei Monate später würde einsammeln können, ahnte der Naturschützer damals nicht.

Gams auf Wildtierkamera - die Überraschung war perfekt

Ebenso wenig war er auf das gefasst, was ihn beim Durchsehen der Aufzeichnungen erwartete. Da sind Wildschweine, Rehe und Füchse darauf und eventuell eine Wildkatze. Das muss noch bestätigt werden. Dann die Überraschung Anfang Mai: Da war doch tatsächlich eine Gams. Das musste Bruno Ulrik einfach auf Youtube posten.

Gämsen leben im Hochgebirge - Vorkommen auch in Vogesen

Ein im Hochgebirge lebendes, zu den Paarhufern gehörendes Säugetier mit gelblich braunem bis rotbraunem Fell und nach hinten gekrümmtem Gehörn. So beschreibt der Duden die Gämse. Mit Glück kann man die scheuen Tiere auch in den Vogesen beobachten.

Scheues Tier so stadtnah gesichtet ist ungewöhnlich

Doch Ulriks Kamera stand rund acht Kilometer vom Straßburger Münster entfernt. Das ist nicht weit entfernt von der urbanen Zone, man ist auf dem Gebiet der Kommune Schiltigheim. Im Norden gibt es ein kleines Waldgebiet am Ufer der Ill, die durch Straßburg fließt. Auch wenn es dort Wald und Weiden gibt, ist es stadtnah, rundherum sind Häuser.

Menschenleere Natur und Ruhe hat Wildtiere angelockt

Laut dem Naturfreund waren auch vor der Corona-Pandemie vereinzelt Gämsen in den Niederungen des Elsass gesichtet worden. Dass sie aber so nah an bewohntes Gebiet herankommen, erklärt er sich mit der Ruhe, die dort über Wochen herrschte. Es waren weniger Menschen draußen. Da sind bestimmte Tiere näher gerückt.

Tiere müssen sich wieder an Betrieb gewöhnen

Jetzt ist das vorbei. Die Elsässer dürfen wieder raus. Die Tiere müssen sich daran gewöhnen, dass wieder Menschen in der Natur unterwegs sind. In den Städten, wo auf den Grünstreifen hüfthoch Gräser und Wildblumen stehen und Bienen und andere Insekten reichlich Nahrung finden, wird jetzt nach und nach gemäht.

Wandern und Radfahren - Menschen zieht's in die Natur

In den Fluss-Niederungen und an den Hängen der Vogesen kam der Wandel am ersten Wochenende nach der Ausgangssperre mit einem Schlag. Viele Gebiete wurden von Wanderern, Rad- und Motorradfahrern regelrecht überrannt. Da Bars und Restaurants in den Städten weiter geschlossen sind, zieht es die Menschen in die Natur.

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