Nicht nur für Risikogruppen: die dritte Corona-Impfung steht an (Foto: SWR)

Nicht nur für Risikogruppen

Die dritte Corona-Impfung steht an: Was man dazu wissen sollte

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Ab 1. September werden laut Bundesregierung allen zweifach Geimpften Auffrischimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff angeboten. Wichtige Fragen sind offen.

Sybille Zenzinger lebt im Seniorenheim St. Carolushaus in Freiburg. Sie will alles hundertprozentig haben - auch ihren Impfschutz. Zweifach geimpft ist sie schon, die 95-Jährige. Auch mit Blick auf eine dritte Corona-Impfung als Booster zur Auffrischung hat sie einen klaren Standpunkt: "Natürlich ist es besser man macht mit und versichert sich sozusagen, dass man eben immun ist. Was man annimmt. Genau weiß man es ja nicht, aber man hofft es, oder? Und ich will jetzt auch die dritte Impfung. Ja natürlich. Wenn sie kommt, wird sie mitgemacht."

1. Wie lange schützen erste und zweite Impfung?

Erste Studien belegen: Der Coronaschutz der ersten beiden Impfungen lässt mit der Zeit nach, bei mRNA-Impfstoffen geht man derzeit von sechs Monaten aus. Für bestimmte Menschen ist deswegen der Booster sinnvoll, sagt Daniela Huzly, Virologin am Uniklinikum Freiburg: "Das Problem ist, dass wir unterscheiden müssen, ob wir die Infektion verhindern wollen oder ob wir nur die schwere Erkrankung verhindern wollen. Wenn wir die Infektion dauerhaft zuverlässig verhindern wollen, brauchen wir wahrscheinlich schon nochmal eine dritte Impfung bei allen. Aber vermutlich noch nicht jetzt, weil die jungen Leute sehr viel länger diese schützenden Antikörper haben."

Viele Hausärzte wollen ihre Risikopatienten sobald wie möglich und so gut wie möglich schützen. Larissa Giebelhaus, Ärztin für Allgemeinmedizin in Freiburg: "Nach Daten von Studien und was man jetzt etwa aus Israel hört, lässt der Impfschutz offenbar doch nach. Insofern halte ich es schon für sinnvoll, dass man die Risikogruppen auf jeden Fall impft - wenn man wirklich einen sicheren Schutz haben möchte."

2. Für wen ist die dritte Impfung sinnvoll?

Für alle Menschen über 80, Pflegebedürftige oder Personen mit Immunschwäche, so das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg. Auch Sybille Zenzinger im Freiburger Seniorenheim ist damit gemeint. Gerade wenn sie sich mit ihren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern trifft, ist für die Heimleitung im St. Carolushaus Vorsicht angesagt, so die Direktorin Christa Varadi: "Als Heimleitung ist man verantwortlich für den Schutz von 115 Bewohnerinnen und Bewohnern und von 148 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Aufgrund dieser Verantwortung ist es für mich ganz klar, dass die dritte Impfung notwendig ist, um diesen Schutz zu gewährleisten."

3. Wann kommt die dritte Impfung?

Offizieller Start ist laut Bundesregierung der 1. September: Nicht nur Menschen in Risikogruppen, sondern auch allen, die bisher nur einen Vektorimpfstoff bekommen haben, soll eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden. Sybille Zenzinger kann sich also schon mal freuen. Die Heimleitung wird wieder ein Impfteam ins Haus holen, vielleicht schon Ende September. Gesundheit ist für die Seniorin das Wichtigste und damit meint sie nicht nur sich, sondern auch alle anderen: "Man muss sehen, dass man gesund bleibt. Und wenn eine dritte Impfung angesagt wird, macht man natürlich mit. Denn man will ja nicht krank werden. Ich meine, in unserem Alter wäre es egal, aber trotzdem: Wenn man andere anstecken würde wäre das schon schlimm." Und außerdem soll ihr 69-jähriger Sohn sie schließlich sicher und geschützt auch weiterhin besuchen können.

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