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Die Uniklinik Straßburg hat einem Bericht des Instituts für Katastrophenmedizin widersprochen. Darin hatte es geheißen, dass Corona-Patienten über 80 Jahre seit Tagen nicht mehr beatmet würden.

Die Uniklinik Straßburg hat am Donnerstagabend auf Meldungen reagiert, wonach das Alter das entscheidende Kriterium für eine Beatmung dort sei. Entsprechende Berichte hatten auch in Deutschland für Betroffenheit gesorgt. In einer Pressemitteilung, die dem SWR vorliegt, schreibt die Klinik, für eine Beatmung sei der Gesamtzustand der Patienten maßgeblich - nicht ausschließlich das Alter. Außerdem habe die Straßburger Uniklinik neue Beatmungsmöglichkeiten geschaffen.

Anästhesist verweist auf "medizin-ethische" Kriterien

Auch der Leiter der chirurgischen Anästhesie, Paul Michel Mertes, hatte zuvor auf die medizin-ethischen Kriterien der Klinik verwiesen. Nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes (epd) geht aus dem Kriterien-Katalog hervor, dass die Entscheidung von dem Schweregrad der Krankheit abhängig gemacht wird und nicht etwa von einer Altersgrenze der Patienten.

"Die Situation verschlechtert sich von Tag zu Tag. Es mangelt uns aktuell dramatisch an Material. Das Personal ist erschöpft - physisch und moralisch. Am Centre Hospitalier Universitaire sind aktuell 238 Beschäftigte infiziert. Es gibt mehr und mehr Krankheitsausfälle und ich weiß nicht, wie wir mit all dem fertig werden sollen."

Krankenschwester an der Straßburger Uniklinik

Klinkert bestätigt Triage-Verfahren im Elsass

Brigitte Klinkert, Präsidentin des französischen Departements Haut-Rhin, bestätigte gegenüber der Zeitung "Die Welt": "Wir betreiben bereits seit zwei Wochen Triage. Patienten über 80, über 75, an manchen Tagen auch über 70 können nicht mehr intubiert werden, weil uns einfach die Beatmungsgeräte fehlen. Man kann es gar nicht oft genug sagen, weil nicht nur die deutschen Nachbarn, auch die Franzosen außerhalb des Elsass sich die Lage hier noch nicht klarmachen."

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Bericht des Instituts für Katastrophenmedizin

Ausgangspunkt für die Meldungen zur Altersgrenze bei Patienten war ein Bericht des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin (DIFKM), den dieses ans Landesinnenministerium schickte. Der Bericht liegt dem SWR ebefalls vor. In der Uniklinik Straßburg herrschten offenbar tragische Zustände, hieß es darin. Corona-Patienten über 80 Jahre würden seit Tagen nicht mehr beatmet und erhielten lediglich eine Sterbebegleitung und palliativ-medizinische Betreuung. Außerdem müsse die Uniklinik inzwischen jede Stunde einen beatmungspflichtigen Patienten aufnehmen, so der Bericht weiter. Viele hätten mehrere Infektionen, unter anderem sogenannte bakterielle Superinfektionen. Mitarbeiter würden zum Teil auch dann noch weiterarbeiten, wenn sie selbst infiziert seien.

Innenministerium BW nimmt das Schreiben "sehr ernst"

Ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums betonte, man nehme das Schreiben sehr ernst und werde es intensiv auswerten. Dieser Zustand sei jedoch mit der Situation der Kliniken in Baden-Württemberg nicht vergleichbar, da Deutschland sich sehr früh um eine Eindämmung bemüht habe und die Epidemie in Frankreich weiter fortgeschritten sei.

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Institut für Katastrophenmedizin: Konsequente Maßnahmen unabdingbar

Die Leitung des Instituts für Katastrophenmedizin mit Sitz in Tübingen und Korntal (Kreis Ludwigsburg) kommt in dem Schreiben zu dem Schluss, dass "weitere konsequente Maßnahmen der Landesregierungen, der Krankenhäuser und der Rettungsdienste in Deutschland unabdingbar" seien. Eine Schlüsselrolle komme den Rettungsdiensten und dem Bereich der Intensivmedizin zu. Die Autoren des Berichts hatten am Montag mit Ärzten des Uniklinikums Straßburg gesprochen.

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