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Es gibt nun eine Petition gegen die Öffnung dieser Schulform - bei behinderten Kindern ist die Einhaltung der Hygienevorschriften nahezu unmöglich und der Unterricht sehr riskant.

Seit Montag sind die Kinder der Helen-Keller-Schule in Maulburg im Landkreis Lörrach wieder in der Schule. Und zwar fast alle.

Denn die Maulburger Schule ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum – früher Sonderschule, und die mussten nach den Vorgaben des Kultusministeriums nach den Ferien eben als einzige wieder komplett den Betrieb hochfahren.

Helen-Keller-Schule Maulburg - Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (Foto: SWR, Laura Könsler)
Helen-Keller-Schule Maulburg - Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum Laura Könsler

Gegen die Öffnung dieser Schulart gibt es mittlerweile eine Petition, denn klar, Kinder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen können sich schlechter an Hygienevorschriften halten, als andere. Und auch in Maulburg gestaltet sich der Schulalltag für alle Beteiligten schwierig. Vor dem Klassenzimmer stehen Gummistiefel, die Tür zu dem Raum steht offen, innen wird ruhig gearbeitet. Der Großteil der geistig und körperlich behinderten Schüler ist an diesem Morgen in der Schule, berichtet Schulleiter Norbert Fisel: "Von den 195 Schülern, die wir hier haben, sind 35 zu Hause geblieben.“ Die Eltern hatten nämlich die Möglichkeit zwischen Präsenz- und Fernunterricht zu wählen.

Die Schüler der Helen-Keller-Schule die zu Hause unterrichtet werden, brauchen so wie in der Schule auch oft, Unterstützung. "Das sind dann oft die Eltern oder Geschwister, die sie dabei unterstützen“, sagt Frank Peiszan. Er ist stellvertretender Schulleiter: "Wir haben einen Plan gemacht, wie wir den Fernunterricht gestalten. Bei uns ist er nicht rein digital, sondern auch analog.“
Mit den Eltern wurde abgemacht, auf welchem Wege die Schüler an das Unterrichtsmaterial kommen, Telefonnummern wurden ausgetauscht, Mailadressen. Zum Teil laufe manches auch über "Moodle“, der Lernplattform des Landes, aber auch da bräuchten die Schüler Hilfe.

Beim Unterricht in der Schule hingegen kann der übliche Corona-Schutz nur schwer eingehalten werden, Körperkontakt und Nähe gehören zur Begleitung der Schüler dazu, gibt Schulleiter Fisel zu bedenken: "Wir haben engen Kontakt, unsere Kinder sind teilweise stark vorerkrankt und brauchen Pflege. Abstand halten, Masken tragen, damit haben viele unserer Kinder Probleme, das ist eine zusätzliche Gefährdung der Schüler und auch unserer Mitarbeiter.“

Aber sie schützen sich und die Kinder so gut es geht: die Pausen sind gestaffelt, der Unterrichtsbeginn versetzt, sodass die Schüler untereinander weniger Kontakt haben. Klar ist den Schulverantwortlichen auch, dass die Familien entlastet werden müssen. Trotzdem geht Schulleiter Norbert Fisel jeden Tag mit "Bauchschmerzen“, wie er sagt, zur Schule. "Natürlich sind die Eltern froh, wenn sie entlastet werden durch die Schule. Das das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die Gesundheitsgefahr, das Risiko. Und das ist einfach dadurch gegeben, dass wir uns hier täglich treffen.“

Es ist ein Dilemma, in dem er und sein Stellvertreter stecken. Frank Peiszan zählt seine Schüler zu den Hochrisikopatienten. Aus diesem Grundist für ihn klar: "Impfen steht für mich weit oben. Noch besser wären Schnelltests, aber das ist organisatorisch fast nicht zu leisten.“ Und Schulleiter Fisel fügt hinzu: "Wenn man will, dass unsere Schulen aufhaben, dann müssen unsere Schüler beim Impfplan möglichst an oberer Stelle stehen.“

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