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Die Schlagzeile "Uniklinik Straßburg beatmet keine über 80-Jährigen mehr" hat bundesweit für Aufregung gesorgt. Der Bericht des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin schien fehlerhaft zu sein. 

Der Bericht des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin zur Anwendung des Triage-Verfahrens schlägt weiter Wellen. Nun hat sich auch der Oberrheinrat, eines der wichtigen politischen Gremien im Dreiländereck, eingeschaltet. Er bittet Ministerpräsident Kretschmann um schnelle Aufklärung und Richtigstellung. Viele würden sich fragen, wie sich die Mitarbeiter des Instituts überhaupt Zugang zur Uniklinik Straßburg verschaffen konnten.

Die Präsidentin des Departements Haut-Rhin, Brigitte Klinkert, hatte sich bereits Mitte März in einem Zeitungsinterview mit "Die Welt" geäußert und die Praxis der Triage im Elsass bestätigt. Dieses Verfahren würde bereits seit zwei Wochen betrieben werden - etwa von den Ärzten an der Uniklinik Straßburg (siehe Info-Box "Rückblick").

Wütende Reaktionen von französischer Seite

Schon einen Tag nach der Meldung, dass nur noch unter 80-Jährige beatmet würden, kamen Zweifel auf. Der Bericht des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin schien in vielen Punkten übertrieben und auch fehlerhaft zu sein. Die Ärzte in Straßburg wiesen den Bericht als falsch zurück. Bei der Triage würde nicht nur nach Alter entschieden. Auch die Klinik-Mitarbeiter würden nach Hause geschickt, wenn sie krank sind. Es folgten wütende Berichte in der französischen Presse.

"Da waren einige Punkte, die alle in Richtung Dramatisierung dieser sowieso schon dramatischen Situation hin zielten und das hat eben die französischen Kolleginnen und Kollegen massiv gestört, dass da ein Eindruck erweckt wird vom französischen Gesundheitssystem, der wirklich nichts mit der Realität zu tun hatte."

Josha Frey, Präsident des Oberrheinrates

Im Elsass wird baden-württembergische Landesregierung als Auftraggeber vermutet

Wurde das Institut etwa von der Landesregierung Baden-Württemberg beauftragt diesen Bericht zu schreiben? Dieser Eindruck entstand jedenfalls im Elsass, da das Institut auf seiner Internetseite das Innenministerium als Partner nennt.

Deshalb sei es dem Oberrheinrat wichtig gewesen zu betonen, dass die Landesregierung niemanden in die französischen Kliniken geschleust oder geschickt hat.

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