Frau Katja und Mann Lionel schauen gemeinsam auf einen Laptop. (Foto: SWR)

Sorge um Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl

Deutsch-französisches Paar hat Angst vor Sieg von Le Pen

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Sollte Marine Le Pen die Stichwahl um die Präsidentschaft gewinnen, hätte das auch Konsequenzen für Deutschland. Ein deutsch-französisches Pärchen aus Kirchzarten ist besorgt.

Seit 22 Jahren lebt Lionel Macor in Deutschland. Zusammen mit seiner Frau Katja wohnt er in Kirchzarten (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald). Täglich pendelt der Bauingenieur nach Mulhouse zur Arbeit, manchmal sogar nach Paris. Aus Angst vor einem Wahlsieg von Marine Le Pen hat er bereits vor fünf Jahren, bei der letzten Präsidentschaftswahl 2017, die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Vor der Stichwahl an diesem Sonntag machen er und seine Frau Katja sich große Sorgen. Ehefrau Katja sagt: "Jeden Tag, seit bestimmt sechs Wochen, kommt Lionel nach Hause und das erste was er mir sagt, ist eine Zahl. Das sind die Umfragewerte."

Aktuell liegt Macron in Umfragen vorn   

Aktuell liegt Präsident Macron in den Umfragen bei etwa 56 Prozent, Le Pen bei 44 Prozent. Eine geringe Wahlbeteiligung würde Marine Le Pen in die Karten spielen. Sollte sie tatsächlich gewinnen, rechnet das Paar aus Kirchzarten mit spürbaren Konsequenzen - auch im Alltag.

Kommen neue Grenzkontrollen?

Lionel Macor fürchtet zum Beispiel, dass er für den Weg zur Arbeit deutlich länger brauchen würde: "Le Pen will wieder Bürgerkontrollen an der Grenze organisieren." Sie wolle diese Kontrollen nur für Leute, die nicht aus Europa kommen, erklärt er. "Für weiße Leute könnte es gehen. Aber für Leute, die ein bisschen Farbe haben, könnte es eine andere Geschichte werden. Wenn ich das höre, ist das unmöglich für mich. Für mich wäre es nicht so einfach, nach Frankreich zu pendeln." Ehefrau Katja befürchtet außerdem, dass Le Pen künftig nur noch eine Staatsbürgerschaft erlauben könnte.

Was wäre mit der doppelten Staatsangehörigkeit?

Ihr Mann habe zwei Staatsangehörigkeiten. "Muss er sich dann entscheiden?, fragt sie sich. Bei ihr würden sich im Moment sehr viele Dinge im Kopf abspielen:

"Die Kinder haben zwei Staatsangehörigkeiten, ich weiß nicht, ob sie sich entscheiden müssten. Kann Lionel noch jeden Tag hierhin kommen? Müssen wir uns vielleicht irgendwann entscheiden? Gehen wir nach Frankreich?"

Dass die rechtspopulistische Politikerin seit der letzten Wahl im Jahr 2017 kräftig zugelegt hat, beunruhigt das Paar zutiefst. "Wo wird sie dann in fünf Jahren sein", fragen sich die beiden. Wie die Wahl an diesem Sonntag ausgeht, will das Ehepaar gemeinsam mit Freunden verfolgen.

 

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