Atommüll (Foto: IMAGO, Imago)

Entscheidung im Herbst

Schweiz: Countdown für Atommüll-Endlager am Hochrhein läuft

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AUTOR/IN
Petra Jehle

Auf der Suche nach einem Atommüll-Endlager am Hochrhein steht eine wichtige Entscheidung an. Im Herbst soll ein Standort vorgeschlagen werden. In den Grenz-Gemeinden regt sich Widerstand.

Seit 40 Jahren laufen die Planungen für das Endlager in der Schweiz. Jetzt beginnt der Countdown: Bis zum Herbst will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) den aus ihrer Sicht geeignetsten Standort benennen. Die Nagra ist für die Suche und den Bau des unterirdischen Lagers zuständig.

"Wir sind überzeugt, dass wir ein sicheres Lager bauen können."

Baustart des Atommüll-Endlagers in 18 Jahren

Die Schweiz will ihre radioaktiven Abfälle im Opalinuston-Gestein unter der Erde einlagern. Drei Jahre hatten Experten den Untergrund in drei Regionen nahe der Grenze am Hochrhein untersucht. Der Müll soll zunächst rückholbar sein und dann für über eine Million Jahre unter der Erde verschwinden. In 18 Jahren wollen die Planer mit dem Bau des Lagers in Grenznähe beginnen. Mit größeren Widerständen rechnen die Verantwortlichen in der Schweiz derzeit nicht.

Karte Endlager Schweiz Hochrhein  (Foto: Nagra)
potentielle Endlagerstandorte im Grenzgebiet Nagra

Kritik von deutschen Grenzgemeinden

Vor Ort sehen Einheimische die Pläne der Nagra allerdings kritisch: Bürgerinitiativen und Kommunen fordern umfassende Informationen über noch offene Fragen, wie etwa zum Grundwasserschutz. Außerdem fordern sie mehr Beteiligung. Die Schweiz hat in den drei betroffenen Standortregionen vor Jahren bereits sogenannte Regionalkonferenzen eingerichtet. Dort sitzen Bürger der besonders betroffenen Regionen sowie Vertreterinnen und Vertreter örtlicher Verbände, Organisationen und der Gemeinden. Auch die deutsche Seite ist vertreten, allerdings mit deutlich weniger Sitzen als ihre Schweizer Nachbarn.

"Ich wäre weniger besorgt, wenn es unabhängige Gutachter gäbe, die das alles extern kontrollieren würden. Ich habe das Gefühl das Ganze ist ein bisschen einseitig."

Ein Mitspracherecht haben die deutschen Gemeinden im unmittelbaren Umfeld des Endlagers nicht. Doch die Sorgen auf der deutschen Seite sind groß. Sie befürchten Unfälle, aber auch Folgen für die Wirtschaft und das Gemeindeleben.

"Der Erholungs- und Freizeitwert wird beeinträchtigt werden. Es wird sich auf den Immobilienmarkt und auf Gewerbeansiedlungen auswirken."

Noch sei die Nachfrage ungebrochen hoch. Aber es gebe bereits kritische Stimmen und Nachfragen bezüglich des Endlagers, so der Bürgermeister von Jestetten, Dominik Böhler.

SWR Aktuell hat am 13. März 2022 in der Sendung "Dreiland Aktuell" ebenfalls über die Suche nach Standorten berichtet:

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Widerstand gegen Atommüll-Endlager wird wohl wachsen

Wenn der Standortentscheid im Herbst gefallen ist, werden die Gemeinde auch über mögliche Ausgleichs- und Entschädigungszahlungen diskutieren. Der Widerstand gegen den Bau eines Endlagers dürfte in den nächsten Jahren wieder zunehmen.

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Petra Jehle