Drei Baby-Katzen im Tierheim Rottweil an der Futterschüssel  (Foto: SWR, Samantha Happ)

Opfer der Pandemie

Angeschafft und abgeschafft: Corona-Tiere im Tierheim Rottweil

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Samantha Happ
Samantha Happ (Foto: DASDING)

Das Tierheim Rottweil ist am Rande seiner Kapazitäten. Viele im Lockdown angeschaffte Haustiere wurden zur Urlaubszeit ausgesetzt oder abgegeben.

Da beißt die Maus kein Faden ab: Nach der Corona-Welle des letzten Jahres wurden im Frühjahr dieses Jahres die Tierheime überflutet mit Tieren. Als das Leben wieder an Fahrt aufgenommen hatte, Reisen wieder möglich war, wurden sie oft abgegeben oder einfach irgendwo ausgesetzt. Alleine bis zu 60 Katzen waren bis vor kurzem im Rottweiler Tierheim untergebracht, erzählt die Leiterin Vanessa Schreiber. Wild lebende Katzen, nicht selten mit ihrem Nachwuchs, kranke Tiere, die eine besondere Pflege benötigen, bissige Hunde, die nicht richtig erzogen wurden und aus ihren Familien genommen werden mussten oder einfach Tiere, auf die man keine Lust mehr hatte, kommen dort unter.

Arbeit im Tierheim Rottweil endet auch nachts nicht

Viele Tiere teilen ein ähnliches Schicksal und sie alle leben auf wenigen Quadratmetern im Tierheim in Rottweil. Abgelegen, nahe am Ufer der Eschach, von weiten Wiesen und purer Natur umgeben, ist es das Zuhause zahlreicher solcher Tiere. Rund um die Uhr kümmern sich die wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahezu unter Selbstaufgabe um neu eingetroffene Notfälle. Sie nehmen Tiere mit nach Hause, wenn sie besondere Pflege benötigen und werden nicht müde dabei, ihre Schützlinge in ein neues Zuhause weiter zu vermitteln.

"Es ist schon mehr, als einfach nur ein Job hier. Es ist Herzblut."

Kastrationspflicht bei Katzen würde viel Leid verhindern

In der Nachbargemeinde gebe es wohl schon eine Kastrationspflicht für Kater und Katzen, in Rottweil halte man sich damit noch zurück. Dabei könnte diese viel Leid und viele der Schicksale im Tierheim verhindern. Notfälle finden bei Vanessa Schreiber und ihrem Team immer einen Platz, anders sieht es aus, wenn Menschen kommen, um ihr Tier abzugeben. Sind alle Boxen besetzt, müssen die Menschen ihr Tier wieder mitnehmen, doch das Tierheim unterstützt sie bei der Vermittlung.

Die Gründe dafür sind vielfältig, manche glaubwürdig, wie eine Allergie, eine Schwangerschaft oder Beißvorfälle. Andere seien da weniger glaubwürdig, aber das Ergebnis sei gleich: Die Menschen möchten das Tier abgeben. Für eine Katze verlangt das Tierheim eine Pauschale von 150 Euro, für einen Hund sind es 350. Es sei eine Art Ehrerweisung auf dem letzten Schritt: Davon bezahlt das Team die Tierarztkosten, Futter und was sonst noch anfällt. Deswegen ein Tier auszusetzen, sei aber kein Grund.

Die Leiterin des Tierheims Rottweil, Vanessa Schreiber.  (Foto: SWR, Samantha Happ)
Vanessa Schreiber, Leiterin des Tierheims Rottweil Samantha Happ

"Wenn es ums Geld geht, sollen die Leute auf uns zukommen und mit uns reden. Wir haben noch immer eine Lösung gefunden, es geht einzig um das Tierwohl."

Tierheim Rottweil vorwiegend durch Spenden finanziert

Ausgesetzte Tiere würden oftmals leider nicht rechtzeitig gefunden. Finanziert wird das Tierheim vorwiegend über Spenden. Doch gerade als diese dringender denn je benötigt wurden, nahm die Spendenbereitschaft ab. Viele Menschen, die das Rottweiler Tierheim unterstützen, hättenwährend der Pandemie selbst schauen müssen, wo sie finanziell bleiben.

Für Fundtiere gibt es eine Pauschale von der Stadt

Futterspenden und Sammelaktionen zu Weihnachten seien darüber hinaus sehr hilfreich und eine große Unterstützung. Weihnachten im Tierheim sei in den letzten Jahren eher ruhig gewesen, dieses Jahr wird auch das anders. Zwar wünschen sich viele der zahlreichen Bewohner zu Weihnachten sicherlich einen warmen Platz in einem neuen Zuhause, doch als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum haben sie nichts zu suchen.

Gratwanderung: Vermittlung von Tieren zu Weihnachten

Anders als andere Tierheime werden die Vermittlungen in Rottweil in der Weihnachtszeit nicht gestoppt. Wer wirklich ein Tier aufnehmen möchte, habe gerade über die Feiertage Zeit für die Eingewöhnung des Tieres. Für die Überprüfung und Besichtigung des potentiell neuen Zuhauses nimmt sich das Team vor Weihnachten aber noch mehr Zeit. Statt Tiere unter dem Weihnachtsbaum bietet das Tierheim Patenschaften als Alternative an. So könne man das Tier erst langsam kennenlernen, gemeinsam Zeit verbringen und einen Eindruck von der Verantwortung bekommen, die mit einem Tier einher geht - damit es dann hoffentlich ein Zuhause für immer sein wird.

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