Eine Frau unterzieht sich einem Corona-Schnelltest in einem Testzelt auf dem Markt.  (Foto: dpa Bildfunk, Hendrik Schmidt)

Freiburger Polizei ermittelt

Mängel bei privaten Schnelltestanbietern in Südbaden?

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Inzwischen gibt es Schnellteststationen an jeder Ecke - darunter auch schwarze Schafe. In Freiburg ermittelt die Polizei in einigen Fällen wegen Abrechnungsbetrugs.

Mit einem blauen Banner mit der Aufschrift "Teststation" macht die Firma "H.i.-Competence" in Müllheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) auf Schnelltests aufmerksam. In einem der Testzelte neben einem Restaurant hat sich Ruth Müller-Lancé mit ihrer Familie Ende Mai testen lassen. Der Frau aus dem Nachbarort Neuenburg fiel zunächst auf, dass sie keinen Ausweis vorzeigen musste. Dann wunderte sie sich darüber, dass die Mitarbeiter des privaten Testzentrums ihre Handschuhe zwischen den jeweiligen Testpersonen nicht gewechselt und auch nicht desinfiziert haben. Der Tupfer sei nicht richtig in der Nase gewesen, ein seriöser Nasenabstrich hätte sich anders angefühlt, berichtet Ruth Müller-Lancé.

Mehrere Beschwerden gegen private Schnellteststation

Müllheims Bürgermeister Martin Löffler bestätigt, dass es mehrere Beschwerden gegen den privaten Betreiber des Testzentrums "H.i- Competence" gab. Die Berichte über Fehler erreichten auch das Gesundheitsamt. Doch die Behörde hat offenbar keine Handhabe, direkt einzugreifen - mangels gesetzlichem Auftrag, so Löffler. In der Rolle als Ortspolizeibehörde kann die Gemeinde Müllheim jedoch einschreiten. Und so ist eines der beiden Testzentren der Firma geschlossen worden. Die Teststation der Firma am Bürgerhaus darf nach Stichproben zunächst weiter betrieben werden. "Wir überwachen das weiter. Wenn es zu gravierenden Hygienemängeln oder offenkundigen, fachlichen Fehlern kommt oder Negativatteste an Personen verschickt werden, die Termine abgesagt haben, dann würden wir die Teststationen schließen", erklärt Löffler.

Zwei Anzeigen bei der Polizei gegen Testzentren

Wie groß der mutmaßliche Abrechnungsbetrug tatsächlich ist, wird sich noch zeigen. Für die Abrechnung ist die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Auch im Landkreis Emmendingen musste das Gesundheitsamt nach Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern anlassbezogene Kontrollen durchführen. Die Freiburger Staatsanwaltschaft bestätigt, dass zwei Anzeigen gegen Testzentren im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald vorliegen.

Keinerlei Verständnis für Hygienemängel und Abrechnungsfehler hat die Freiburger Psychologiestudentin Imke Horst. Sie jobbt für 15 Euro pro Stunde im Testzelt vor dem Strandbad Freiburg.

"Wenn man selbst so viel Fleiß und Arbeit reinsteckt, ist es enttäuschend zu hören, wie es woanders teilweise läuft. Es gibt ja Berichte, dass die Betreiber von diversen Testzentren Hunderttausende Euro verdienen. Das ist einfach nur unverschämt."

Die Freiburger Studentin Imke Horst führt Corona-Schnelltests am Strandbad durch. (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Die Freiburger Studentin Imke Horst führt Corona-Schnelltests am Strandbad durch. Sebastian Bargon

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